Progressiv in die Neue Dekade – Ein Abend im B58

English version: https://shieldmaidensvoice.com/2020/01/20/progressive-start-to-the-decade-an-evening-at-b58/

Mein erstes Konzert im neuen Jahr – und auch der neuen Dekade – ist jetzt schon ein paar Tage her und da lohnt es sich, das ganze doch nochmal detaillierter zu betrachten und Revue passieren zu lassen!

Am 18.01 ging es, unterstützt von www.lightinmirror.de, nach Braunschweig ins B58, einem kleinen Club mit umso mehr Underground-Charme! Zu meiner absoluten Schande muss ich gestehen, dass wir eigentlich nur gefahren sind, damit ich endlich das seit langem auf meiner To-Do-Liste stehende Interview (und einhergehende Konzert) mit Chaosbay endlich mal abhaken konnte (check btw!). Nichtsdestotrotz hatten wir mit allen Bands einen unheimlichen unterhaltsamen Abend, an dem ich euch im folgenden durch ein paar Beschreibungen, Videos und Bildern teilhaben lassen möchte!

Lady Crank

Egal wie lange man auf der Bühne steht und egal, wie viele Leute vor selbiger stehen, als Opener zu spielen, ist in keiner Situation einfach! Vor allem dann nicht, wenn es doch recht schlecht besucht ist und ein Großteil des Publikums erstmal animiert werden muss, sich überhaupt vor die Bühne zu stellen…

Insofern hatten die drei Jungs von Lady Crank sicherlich den schwersten Start an diesem Abend. Die Hannoveraner Band hatte gut zu tun das noch recht unmotivierte Publikum von sich und ihrem kompromisslosen Stil zu überzeugen. 

LADY CRANK, 18.01.2020, B58 (Braunschweig); Pic by lightinmirror.de

Musikalisch bewegt man sich hier irgendwo zwischen Punk, Metal und Post-Hardcore, was mich ehrlicherweise so gar nicht angesprochen hat. 

Trotzdem schaffte es die Band volle Power in die Performance zu legen, was in einem Ausflug des Gitarristen in das Publikum seinen Höhepunkt fand. Und siehe da: Es gab dann doch Menschen, die sich von so viel Engagement mitreißen und zum Bewegen animieren ließen. Für Fans von unverschnörkelter und nahezu roher Musik, wäre hier jedenfalls gesorgt gewesen.

Auch wenn es musikalisch nicht meinem Geschmack entsprochen hat, empfand ich den Auftritt insgesamt als gelungen, auch wenn das Schlagzeug einen Tuck zu kräftig eingestellt war. Aber wer weiß, vielleicht ist das auch beabsichtigt gewesen.

LADY CRANK, 18.01.2020, B58 (Braunschweig); Pic by lightinmirror.de

Müsste ich der Band einen Tipp aus meiner Sicht geben, so würde ich sagen, dass es sich lohnen würde vielleicht noch mit einer zweiten Gitarre zu experimentieren. Das würde den Sound zwar etwas mehr in die Metal-Richtung schieben, könnte ihn aber umso fetter machen. Ich hoffe aber, dass sich die Band ihre rebellenhafte Art zu spielen nicht ablegt und vielleicht auch mal die eine oder andere Bühne zerlegt – das hat ja schon so manchen Bands den nötigen Schubs zum ganz großen Erfolg gegeben.

Soulsplitter

Im kompletten Kontrast zu Lady Crank beehrten die Künstler von Soulsplitter die Bühne des kleinen Braunschweiger Clubs. 

Ich sage an dieser Stelle bewusst „Künstler“, denn das dabei gezeigte Musik-Stil-Potpourri war eher als Gesamtkunstwerk, denn als Konzert zu sehen. Es begann mit einem Intro, dessen Machart mich ein bisschen an solche Krimi-Games erinnerte, verlief weiter über virtuose Improvisationen an den einzelnen Instrumenten bis hin zu einem interessanten Kontrast zwischen dem Sänger und der Sängerin. Das Ganze begleitet, sehr zum Leidwesen meiner Fotografin, durch großflächigen Einsatz der Nebelmaschine.

SOULSPLITTER, 18.01.2020, B58 (Braunschweig); Pic by lightinmirror.de

Besonders überrascht haben mich dabei die Jazz-Einflüsse. Es war ein bisschen, als hätte sich jemand aus den 1920ern eine Zeitmaschine gebaut und wäre dann auf eine Prog-Metal-Kombo getroffen, die vorwiegend Queen und Opeth spielen!

Rückblickend kann ich sagen, dass mich diese Stunde mit Soulsplitter auch deshalb so gut unterhalten hat, weil die Künstler mit selbstsicherem Auftreten eine Setlist präsentiert haben, die mich wieder und wieder überrascht hat. Immer wenn ich dachte, zu merken, was diese Band ausmacht, gab es einen neuen Twist. Sein Publikum auf diese Art und Weise zu unterhalten erfordert ein hohes Maß an musikalischem Verständnis und Einfühlungsvermögen. 

SOULSPLITTER, 18.01.2020, B58 (Braunschweig); Pic by lightinmirror.de

In diesem Kontext bin ich mir allerdings nicht ganz sicher, ob an dem Abend jeder Besucher im B58 verstanden hat, was Soulsplitter eigentlich versuchen zu erreichen, denn bei allem Lob, was ich für sie habe, ist dieser Stilmix doch sehr speziell.

Zusammenfassend steht für mich aber fest, dass ich sie mir bei Gelegenheit definitiv noch einmal anschaue!

Chaosbay

Wie eingangs erwähnt, waren wir fast ausschließlich wegen Chaosbay vor Ort. Ich folge der Band schon seit mindestens fünf Jahren, habe es aber nie auf die Reihe bekommen, mal ein Konzert zu besuchen. 

Ein Live-Erlebnis unterscheidet sich immer noch mal wesentlich von dem Hören auf CD, da das Live-Erlebnis immer unmittelbarer auf den Zuschauer wirken kann (duh, die stehen ja direkt vor einem!). Wenn ich also eine Band schon lange höre und sie dann endlich live sehe, ist das immer mit einer bestimmten Fallhöhe für die Band verbunden. Entweder find ich sie danach absolut bescheiden oder bin noch ein größerer Fan als vorher.

Im Fall von Chaosbay hätte ich hinterher gar nicht begeisterter sein können!

CHAOSBAY, 18.01.2020, B58 (Braunschweig); Pic by lightinmirror.de

Der Auftritt hob sich alleine schon durch ein absolut souveränes, professionelles Herangehen an jedes noch so kleine Detail von den anderen Bands des Abends ab. Die Band wirkte ruhig, routiniert und vermittelte eine fesselnde Bühnenpräsenz, die mich sofort eingefangen und mitgenommen hat. Und das obwohl ich am Rand stand!

Die Setlist war optimal gewählt, um das Publikum auf jedem Schritt dieser musikalischen Reise mitzunehmen. Ich hatte erst ein paar Bedenken, da es in manchen Chaosbay-Songs auch ruhige Parts gibt und es erfahrungsgemäß vielen Bands schwer fällt das Publikum danach wieder entsprechend zu animieren. Das war hier absolut nicht der Fall und man könnte den Eindruck gewinnen, die Bandmitglieder würden in ihrem Leben nichts anderes tun, als in dieser Konstellation die Bühnen dieser Welt unsicher zu machen.

Musikalisch finden hier harte Gitarrenriffs mit eingängigen Melodien und virtuosen Schlagzeugparts zusammen, die den geneigten Zuhörer nicht ruhig stehen lassen können. Kräftige Growl-Parts werden gelegentlich durch kraftvolle Clean-Vocals kontrastiert, die einen unglaublich dramatischen Effekt erzeugen. Stilistisch wird man hier sicherlich Parallelen zu den einschlägigen Prog-Metal/Rock-Bands finden, aber Chaosbay schafft es, einen sehr eigenen unverwechselbaren Sound zu etablieren, der innerhalb der Szene noch seines Gleichen sucht!

CHAOSBAY, 18.01.2020, B58 (Braunschweig); Pic by lightinmirror.de

Da werden wir bald noch viel mehr hören, da bin ich mir sicher!

Mehr zu Chaosbay gibt es hier auch tatsächlich bald! Freut euch auf das Interview, das wir geführt haben 😉

1 Kommentar zu „Progressiv in die Neue Dekade – Ein Abend im B58

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das:
search previous next tag category expand menu location phone mail time cart zoom edit close