Alpines Mysterium – Perchta’s Ufång

Band: Perchta

Album:Ufång

Genre: Atmospheric Black Metal

Spiellänge: 39:12

Release: 10.04.2020 (Prophecy Productions)

Das Album ist hier verfügbar:  https://prophecy.lnk.to/perchta-ufang

Das Album wurde mir freundlicherweise von Prophecy Productions als Download zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!

English Version: https://shieldmaidensvoice.com/2020/03/30/alpine-mystery-perchtas-ufang/

Ich weiß nicht, wie oft ich angefangen habe, diese Review zu schreiben. Nach dem siebten Mal habe ich aufgehört zu zählen. Noch nie habe ich mich mit einem Album befasst, dass mich vor so eine harte Schreibblockade gestellt hat. Nicht, weil es schlecht ist, im Gegenteil! Die schiere Komplexität dieses Werks der Newcomer-Band Perchta ist einfach so gewaltig, dass ich kaum die die richtigen Worte finde, um es angemessen zu beschreiben. Versuchen will ich es trotzdem!

Dem Album zugrunde liegt die Geschichte der Perchta, einer alpinen Sagengestalt, die alljährlich für einen begrenzten Zeitraum auf die Erde kommt und die Menschen entsprechend ihres Verhaltens entweder belohnt oder bestraft.

Musikalisch wird eben jener Zyklus aus Niederkunft der Perchta auf die Erde bis hin zu ihrem schlussendlichen Verschwinden nachvollzogen. Das Album ist daher aus meiner Sicht definitiv als ganzheitliches Epos, denn als Zusammenstellung von Songs zu betrachten. 

Zu Beginn sind die Songs hart und kraftvoll und lassen den Hörer die infernale Kraft der Perchta spüren, die mit kompletter Unerbittlichkeit ihrer Aufgabe nachgeht. Dies spiegelt sich in dem exzellenten Zusammenspiel aus Gesang und der musikalischen Umsetzung wieder. Schnelle Tremoli treffen hier auf garstig klingende Vocals, die einem wortwörtlich das Blut in den Adern gefrieren lassen, etwa so wie die alpine Kälte es im Winter mit einem tut. Vor allem in den Songs Erdn und Åtem wird der Hörer mit dieser Narrative konfrontiert. Es ist dabei jedoch aber nicht nur stumpfes Geknüppel, sondern dem Ganzen liegt eine eindrucksvolle musikalische Vielschichtigkeit zugrunde.

Im Verlauf des Albums wird die schwindende (Lebens-) Kraft der Perchta spürbar. Die garstigen Vocals weichen gefühlvollen Gesangs- und Rezitativparts, die durch gekonnten Einsatz der Zitter untermalt werden. Die gespielten Melodien sind dabei eingängig und tiefgründig. Gerade der Song Wåssa, der mit über 9min der längste Song des Albums ist, ist in diesem Kontext hervorzuheben. In einer Art letztem Aufbäumen finden sich in diesem Song noch einmal härtere Stellen, die von den restlichen Instrumenten umspielt werden.

Gegen Ende des Albums verschwindet die Perchta und beendet diesen Zyklus vorerst. Ich habe allerdings den Eindruck, dass dies weniger im Kontext eines unwiederbringlichen Todes geschieht, sondern der Welt vielmehr eine Art Atempause von dieser kraftvollen Naturgewalt gewährt wird. Die Perchta ist eher eine zyklisch-unendliche Figur, denn eine einmalig existierende. Diese Darstellung ist natürlich auch insofern sinnvoll, als dass das Album ja den Namen Ufång, also (vermutlich) „Anfang“, trägt und die Band sich so auch Raum für eine weitere Interpretation dieser Sagenfigur schafft.

Die verschiedenen folkloristischen Elemente im Zusammenspiel mit den dunklen Metal-Elementen schaffen eine Atmosphäre, die sich dem Hörer nur nach und nach eröffnet. Die Liebe zu jedem noch so kleinen Detail ist hier deutlich spürbar und die Komplexität der Songs zeigt das große Know-How dieser Band. Der geneigte Hörer hat Teil an einer musikalischen Sagenreise tief in das verschneite Tirol und gewinnt dabei Einblicke in eine, zumindest mir unbekannte, Figur.

In dem Zusammenhang finde ich für mich es etwas schade, dass ich derzeit noch keinen Einblick in die Lyrics habe. Deutsch ist zwar meine Muttersprache, aber der Tiroler Dialekt, in dem alle Lyrics verfasst sind, ist für mich nur schwer zu verstehen. Von daher muss ich an dieser Stelle leider auf eine tiefergehende Analyse dessen verzichten. Zwar gibt es Passagen, die ich verstehe, aber ich halte nichts davon etwas aus einem Kontext zu reißen und dann zu analysieren, sodass ich vielleicht nochmal ein paar Worte dazu schreiben werde, wenn ich die CD inklusive Lyrics tatsächlich in den Händen halte.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass Ufång ein experimentelles, aber enorm hochwertiges Debütalbum eines ambitionierten Atmospheric-Black-Metal-Projektes ist. Man muss sich zwar von dieser Gehört-und-weiter-Mentalität als Ersthörer verabschieden, aber im Gegenzug erhält man ein wirkliches Hörvergnügen. Gefühlsmäßig war von Gänsehaut und Grusel bis hin zu einer Art Melancholie alles dabei und es war mir eine wahre Freude dieses Album immer wieder hören zu dürfen. Von daher eine absolute Empfehlung meinerseits für dieses Werk!

1 Kommentar zu „Alpines Mysterium – Perchta’s Ufång

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