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Band: WARDRUNA
Album: Birna
Genre: Nordic Ritual Folk
Spieldauer: 66:11
Release: 24.01.2025 (via Sony)
Danke an Sylvie Atterer/Sailor Entertainment für die Bereitstellung der Promo-Materialien sowie die Zusendung einer Vinyl-Ausgabe dieses Albums!

Es ist kalt und auch sehr ungemütlich dieser Tage. Das Leben scheint auf mysteriöse Weise stillgelegt zu sein und doch erkennt man überall die Spuren der Natur, die sich ihren Weg bahnt. In diese Dichotomie hinein veröffentlichen WARDRUNA ihr nunmehr sechstes Studioalbum Birna.
Normalerweise würde ich mir die Zeit nehmen und auf jeden Song des Albums einzeln eingehen. Im ersten Entwurf dieser Review habe ich auch genau das gemacht. Der Sound WARDRUNAs ist allerdings etwas so Transzendentales und Sphärisches, dass das nicht auf diese Art gemacht werden kann. Vielmehr kommt es mir auf die Beschreibung der Atmosphäre dieses Albums an.
WARDRUNA schaffen eine Klangwelt, die das Ursprüngliche in einem selbst berührt. Birna, was so viel wie „Bärin“ bedeutet, ist ein Album, das nicht gehört, sondern vollumfänglich wahrgenommen werden muss. Die Klänge von Komponist Einar Selvik begleiten uns durch das zyklische Leben der Bärin, der geprägt ist von den Widrigkeiten der Natur.
Begleiten wir die Bärin in Dvaledraumar und Jord til Ljos noch durch ihren Winterschlaf, so sind die folgenden Stücke das langsame Erwachen aus dem todesartigen Winterschlaf der Kreatur, die in den nordischen Mythologien eine so zentrale Rolle spielte und teilweise noch spielt. Der Bär ist zwar ein gefährliches Tier, doch wird ihm hier musikalisch auch als Beschützer und Wegweiser gedacht.
Birna ist die Vertonung der Gefühle, die man empfindet, wenn man an verschiedenen Punkten im Jahr im Wald unterwegs ist. Das Album hat lichte, sonnenhafte Momente, ebenso wie tiefgründige, melancholische Phasen. Mit modernen Mitteln und alten Instrumenten rufen WARDRUNA Regungen in einem hervor, die man so nicht in sich vermutet. Über all dem schwebt aber auch die düstere Vorahnung dessen, was der Mensch mit dem Wald, mit der Natur und letztlich mit Birna macht. Die Sehnsucht nach der Hüterin des Waldes legt einen sehnenden Mantel über die Töne.
Insgesamt ist Birna ein Album, wie man es von WARDRUNA erwartet: Die Rückbesinnung auf das Ursprüngliche gelingt Einar Selvik und seinen MitstreiterInnen wie niemandem sonst. Trotz der altertümlichen Klänge schwingt dem Album aber auch eine tonale Modernität mit, die in der Szene ihresgleichen sucht. Vor dem Hintergrund der globalen Erwärmung und dem Zerstörung des Lebensraums vieler Lebewesen ist Birna Rückbesinnung und Trauerlied zugleich. WARDRUNA haben ein Epos geschaffen, das wirkt und wirkt und wirkt!


1 Kommentar zu „Wer die Geister ruft – Review zu WARDRUNA’s Birna“