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Nachdem sich der Januar angefühlt hat, als wäre er acht Monate lang, war es für uns ein Grund für große Vorfreude, dass vergangenen Samstag das Paganfest in Leipzig anstand. Das herausragende Line-Up, das aus ELVENKING, HEIDEVOLK, TYR, ENSIFERUM und ALESTORM bestand, führten nicht nur zu einem ausverkauften Felsenkeller, sondern auch zu einer bombastischen Stimmung! So viel vielleicht vorab: Es gab viel zu hören, viel zu sehen und noch mehr Spaß an guter Livemusik!
Danke auch wieder an lightinmirror.de, es gibt niemandem, mit dem ich diese wilde Reise lieber unternähme!

ELVENKING
Ich sag es gleich vorab: Ich hab gesehen, dass das Paganfest ELVENKING gebucht hat und es gab für mich absolut keine weitere Diskussion darüber, wer unser Interviewpartner an diesem Abend werden soll! Mit der Musik der Italiener verbinde ich so unheimlich viel, dass ich einfach keine Gelegenheit auslassen kann sie zu sehen, wenn sie sich mir bietet! Fun Fact: Meine erste Review überhaupt war ELVENKING’s Secrets of the Magick Grimoire!
Ich schätze an ihrem Sound nicht nur die live vorhandene Violine, sondern vor allem die Liebe zum Detail in Bezug auf das Verweben von Musik und Mythen. ELVENKING zu hören ist in etwa als wäre man in eine Feen-Feier zu Vollmond gestolpert und man ist so verzaubert, dass man einfach nicht gehen kann.
Das Set, das mit Throes of Atonement, aus dem im April erscheinenden Album Reader of the Runes – Luna, begann, war gekennzeichnet von viel Spielfreude und purer Energie. Das ist umso bemerkenswerter, wenn man bedenkt, dass zu Beginn ihres Sets, 20min nach Einlass, der Saal erst halb gefüllt war. Davon ließen sich die Musiker um Sänger Damna aber absolut nicht beirren und spielten, als hinge ihr Leben davon ab. Das Set war zudem eine wirklich gelungene Mischung aus Songs der vergangenen Releases, wobei Pagan Manifesto mit drei Songs etwas stärker vertreten war. Als großer Fan dieses Albums war das für mich aber absolut kein Problem.
Wie bei jedem ELVENKING-Gig, den ich bisher erlebt habe, war auch hier aber ein großes Problem zu erkennen: Die Band hat, entgegen meines ausdrücklichen Wunsches, nicht 3h gespielt. Das empfand ich als große Frechheit! Nichtsdestotrotz war mein innerer Teenager wieder sehr happy und das ist ja auch die Hauptsache, wie ich finde.

HEIDEVOLK
Als nächstes Standen HEIDEVOLK in den Startlöchern und es muss echt schon eeeeewig her sein, dass ich die Niederländer live gesehen habe. Mit Muss 10 Jahre! ich weiß auch eigentlich nicht genau, woran das liegt, weil HEIDEVOLK eigentlich sehr viele Dinge verkörpern, die wir an unserer Musik lieben…
Was HEIDEVOLK ja besonders kennzeichnet, ist der sehr eingängige mehrstimmige Gesang, sie haben immer schon zwei Sänger gehabt, in Kombination mit dem Umstand, dass sie einen Großteil ihrer Lieder auf Niederländisch verfasst haben. Das finde ich vor allem auch bemerkenswert, weil Niederländisch ja keine Sprache ist, mit der man im Musikgeschäft oft konfrontiert ist. Insofern hat das etwas freundlich-kompromissloses und das weiß ich sehr zu schätzen. Als Deutsche kann ich mir auch einige Textpassagen gut herleiten und das macht den Live-Auftritt irgendwie zu einer unterhaltsamen Rätselshow mit Metalmusikbeigabe!
Anders als das Publikum im Felsenkeller war ich daher also so gar nicht bewandert in der Diskografie der Band. Ich fand es um den 4. und 5. Song herum etwas träge, aber Das haben sie dann mit Saksenland wieder gut in den Griff bekommen und spätestens bei Krijgsvolk standen die Zeichen wieder auf Überfall Party. An dieser Stelle kann ich auch getrost zugeben, dass ich so richtig nur einen Song kannte und das war der finale (und wahrscheinlich auch sinnbefreiteste): Vulgaris Magistralis. Den haben alle mitgesungen und HEIDEVOLK konnten ihr Set auf einem absoluten Stimmungshoch beenden!

TYR
TYR hatten aus meiner Sicht eine luxuriöse Startposition: Der Saal war voll, die Stimmung war super und die Leute hatten Lust auf gute Musik. Leider habe TYR diese Gelegenheit aus meiner Sicht gar nicht bis kaum genutzt…
Wobei ich das vielleicht auch nochmal differenzieren muss: Der Einzige, dem ich wirklich abgenommen habe, dass er Bock auf alles hatte und wirklich gern an diesem Abend auf der Bühne stand, war der Bassist. Den Drummer habe ich nicht richtig gesehen und ich glaub, dass der zweite Gitarrist einfach nicht der enthusiastische Mensch ist. Er ist bestimmt auch eher der ruhige „Lass mich spielen“-Typ ist! Gar nicht gefallen hat mir das Auftreten des Sängers, der auch Gitarre spielte. Es wirkte auf mich wirklich so, als würde er das Publikum anspielen und als wäre es ihm eigentlich auch egal, wie das die Leute finden. Es war eher eine „Nehmt es oder lasst es“-Situation, die mir komplett die Freude an dem Abend und auch an der Musik TYRs genommen hat… War vorher bei HEIDEVOLK noch sehr viel Bewegung im Publikum, sah es bei TYR von meinem Standpunkt so aus, als hätten TYR das Publikum wieder kalt gespielt. Das war wirklich schade! Dass man dann regelmäßig, wohl aus dramatischem Effekt, von der Bühne ging und wieder kam, hat da auch wirklich nicht geholfen.
Auf einer langen Tour, wie dem Paganfest, kann man auch wirklich mal einen schlechten Tag haben und ich hoffe, dass das hier der Fall war. Für uns wird es wohl aber keine erneute TYR-Show geben. Schade!

ENSIFERUM
ENSIFERUM sind eine Band, auf die man sich immer verlassen kann! Ihr Auftritt beim Paganfest war auch keine Ausnahme zu dieser Regel. Neben ELVENKING waren sie auch die Band, auf die wir uns mit am meisten gefreut haben.
Das Set begann mit dem Song Fatherland aus dem aktuellen Album Winter Storm. An dem Punkt habe ich auch erwartet, dass dieser Release den musikalischen Schwerpunkt ihres Sets darstellen würde. Mit insgesamt drei Songs, Winter Storm Vigilantes und Victorious waren auch vertreten, war das auch der Fall. Der Rest des Sets war jedoch ein Best Of der Bandgeschichte und wirklich eine herausragend zusammengestellte Mischung. Als Twilight Tavern direkt der zweite Song war, bin ich fast von meinem nicht vorhandenen Stuhl gefallen! Mega! Damit hatte ich gar nicht gerechnet. Ich will an dieser Stelle nicht zu viel vom Set verraten, falls jemand noch zu einem der ausstehenden Paganfest-Termine gehen und nichts vorher wissen will, aber wer schon lang ein Fan von ENSIFERUM ist, der hat hier absolut keine Wünsche mehr offen.
Die Finnen haben den Saal so ordentlich eingeheizt, wie man es mit kriegerischen Hymnen mit Wintereinschlag nur machen kann und es war einfach pure Freude. Sie haben für uns damit mal wieder manifestiert, warum sie eine Band sind, die wir uns gern immer und immer wieder anschauen! Am Ende ihres Sets hätte ich auch nach Hause gehen können und wäre komplett wunschlos glücklich gewesen. Wenn ENSIFERUM beim nächsten Paganfest nicht Headliner sind, dann weiß ich auch nicht!

ALESTORM
Es ist sicherlich debattierbar, ob ALESTORM musikalisch zum Paganfest passen. Ich würde zwar sagen, dass es tendenziell nicht passt, aber mit ALESTORM zieht man eben sehr viele Leute an und hat auch einen Partygaranten, den man so in der Form auch vermehrt sucht.
Die Band profitiert aus meiner Sicht enorm von Patty Gurdy, die der Musik mittels Drehleiher und Gesang, vor allem bei Voyage of the Dead Marauder, zu mehr Tiefe verhilft. Ich hoffe, dass sie sie auch in der nächsten Zeit weiter dabei haben, denn sie ist wirklich ein Gewinn für die Band und bringt einen angenehmen, frischen Wind mit!
Ansonsten war das Set der Bierpiraten so wie man es erwartet: Viel Unsinn, viel Quatsch, ein paar Piraten und auch eine Topfpflanze…? Das Publikum ist wirklich enorm ausgerastet bei den Songs, was für die Live-Energie von ALESTORM spricht. Für uns hat sich aber mal wieder gezeigt, warum wir uns langsam aber sicher vom Power Metal entfernen und nur noch ausgewählte Bands dieses Genres machen werden; Nach der Hälfte des Sets war es für uns einfach sehr repetitiv. Das soll jetzt nicht diejenigen abwerten, die diese Musik zu Recht gut finden, aber für uns fehlt es da einfach an Tiefe und Abwechslung. Humor kann nicht alles ausgleichen und lieber höre ich mir Geschichten über epische Schlachten, Herzschmerz, Tod und Verlust an, als den drölfzigsten Song über das Saufen zu hören…
Das sind aber wirklich persönliche Befindlichkeiten und die restlichen 1200 Menschen im Publikum waren zum sehr überwiegenden Teil anderer Meinung und es sei ihnen von Herzen gegönnt. Für uns hat es aber auch bedeutet, dass wir uns guten Gewissens vor der Zugabe in den Feierabend verabschieden konnten!
Wie gewohnt geht es dann hier bald mit einem Interview weiter. Ich kann auch jetzt schon verraten, dass es eines meiner Liebsten bisher ist. Ja, ich weiß, ich sage das öfter, aber es stimmt halt einfach, ok?? Darüber hinaus gibt es hier demnächst auch Einblicke in das Black Metal Howling, das am 08.02.25 im Hellraiser stattfinden wird. Es sind turbulente Zeiten und wir könnten es uns nicht besser wünschen! Passt auch euch auf und bis bald!


1 Kommentar zu „Zauber, Kampfhymnen und viel Party – PAGANFEST 2025 in Leipzig “