Die Wolfshorde feiert 20 Jahre VARG

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In den Raunächten, also den 12 Nächten zwischen dem 25. Dezember und dem 06.Januar, lässt man das Alte los und begrüßt das Neue. Es ist eine Zeit der Reflexion, in der man das vergangene Jahr Revue passieren lassen kann. Wenn man sich auf das besinnt, was einen ausmacht, dann liegt es auch nah, dass man eben genau das feiert, was einen ausmacht. So ähnlich haben sich das wohl auch VARG gedacht, die am 27.12.25 im Hellraiser Leipzig ihr 20jähriges Bestehen feierten. Als Gäste dieser besonderen Geburtstagsfeier waren ASENBLUT, SAGENBRINGER und ca. 1000 Fans nach Leipzig eingeladen. Es war ein Jahresabschluss, der sich sehen lassen konnte! Mehr lest ihr natürlich weiter unten!

An dieser Stelle aber zunächst ein großes, dickes Danke an lightinmirror.de, dass du den Tag wieder so wundervoll fotografisch eingefangen hast und dass du diese wilde Reise zusammen mit mir absolvierst! An dieser Stelle auch vielen Dank an VARG, dass wir diesen Abend mit euch teilen durften! Auf die nächsten 20 Jahre!

VARG @Hellraiser Leipzig; Pic by lightinmirror.de (c) 2025

Der Konzerttag begann für uns gegen 15:00. Wir kamen etwa in der Mitte des Soundchecks von VARG an. Soundchecks sind an sich recht unspektakulär, weil es sich ein bisschen so anhört als würde man eine Bandplaylist abspielen und bei jedem Song nach etwa einer Minute weiterskippen. Für VARG war es aber nicht irgendein Konzert und so war es auch nicht irgendein Soundcheck. Es galt zunächst zu checken, ob das Timing passend war, denn VARG hatten eine der wohl längsten Setlists ihrer Bandgeschichte im Gepäck. Zudem war zu überprüfen, wie der Wechsel von der regulären Show zur kleinen Akustik-Einlage ablaufen und wie sich die musikalischen Spezialgäste in die Show einfügen würden. 

Wie die Akustikeinlage war und was es mit den Gästen auf sich hatte, will ich an dieser Stelle noch offen lassen. Diese Frage wird zu späterer Stelle im Artikel beantwortet.

Es ist aber immer wieder faszinierend den Unterschied zu sehen zwischen dem Soundcheck und der dann stattfindenden Show. Die Präsenz der Band auf der Bühne und die Energie, die sie abgeben, ist so unterschiedlich! Aber ich kann vermelden, dass VARG mit ihrem Soundcheck sogar früher als gedacht fertig waren und das war aus unserer Sicht schon der erste Indikator, dass dieses besondere Konzert reibungslos ablaufen würde!

VARG @Hellraiser Leipzig; Pic by lightinmirror.de (c) 2025

Sagenbringer

Kommen wir aber nun zum Opener des Abends: SAGENBRINGER! In diesem Jahr sind wir so unfassbar oft gefragt worden, ob wir denn SAGENBRINGER kennen würden oder ob wir sie schonmal live gesehen hätten oder ob wir zu ihrer Tour im Frühjahr mit DELIVER THE GALAXY gehen! Wenn man so oft die immer gleichen Fragen bekommt, fängt es ja schon an, nervig zu werden… Es fällt unter diesem Gesichtspunkt zumeist auch schwer, den Auftritt einer Band objektiv zu bewerten. Ich kann aber schonmal vorweg nehmen: SAGENBRINGER werden ihrem Ruf mehr als gerecht!

Zunächst hatten sie ein paar coole Bühnendekorationselemente auf der Bühne, die mir sehr gut gefallen haben. Von den hölzernen Aufbauten über die Standarten, die die bandeigene Rune zeigten bis hin zu dem großen Sagen-Buch, aus dem Sänger Haldruhir effektvoll rezitierte, hatte das wirklich Hand und Fuß. Dadurch, dass alles so gut aufeinander abgestimmt war, war es schon allein visuell sehr ansehnlich! 

Musikalisch hat es mich auch zu 100% abgeholt. Die leichtfüßigen Kompositionen in Kombination mit den schlachtrufartigen Gesängen ist unheimlich eingängig und lud einfach zum Feiern ein. Wenn man bedenkt, dass wir strenggenommen auf einer Geburtstagsfeier waren, dann waren das wundervolle Ständchen auf die Karriere von VARG. Zwischen Songs wie Für immer Frei, Trolltaverne und Blutmarsch wirbelten die jeweiligen Bandmitglieder nahezu ausgelassen über die Bühne. Das Publikum, zumindest die Menschen in den ersten Reihen, die ich gut sehen konnte, nahmen die SAGENBRINGER-Energie 1:1 auf und gaben sie umso intensiver zurück. Besser hätte man es wirklich nicht machen können!

SAGENBRINGER @Hellraiser Leipzig; Pic by lightinmirror.de (c) 2025

Asenblut

Wie ein paar Berserker schickten sich ASENBLUT im Anschluss an, die Bühnen (und vielleicht auch ein paar britische Klöster?) zu erobern. Die Mannen um Frontmann Tetzel sind euch hier ja schon öfter begegnet und es ist auch immer wieder interessant, ASENBLUT live zu sehen, weil sie stets an ihrer Show arbeiten. Diesmal hatten sie etwa Bildschirme dabei, auf denen Bilder oder Grafiken laufen sollten. Beim Soundcheck konnte man etwa das Bandlogo sehen, aber während der Songs, bei denen ich mit vorne stand, war leider nichts zu sehen… Aber die Idee fand ich super und ich denke, bei zukünftigen Shows wird das ein voller Erfolg! Zumal ich auch nicht die ganze Show über die Bühne komplett sehen konnte und es durchaus sein kann, dass sich das technische Problem im Laufe des Sets gegeben hat!

Musikalisch war es wirklich ein klassisches ASENBLUT-Set, wie man es erwartet: tiefe Gesänge von Tetzel, schnelle Gitarren, treibendes Schlagzeug und kämpferische Texte, die Lust auf blutiges Schlachtgetümmel machen. Ich empfand die Mischung aus Das Ende der Götter und Unbesiegbar am Beginn des Sets auch überaus gelungen, weil es der Band ermöglicht hat, mit sehr hoher Energie einzusteigen und so das Publikum perfekt auf dem Stimmungslevel abzuholen, auf dem es nach SAGENBRINGER war. Die insgesamt acht Songs waren sehr gut auf den Anlass abgestimmt und sie endeten wirklich passend mit dem Song Berserkerzorn! An sich  empfand ich aus diesem Jahr das Rockharz-Set etwas stärker präsentiert, aber das ist wirklich meckern auf hohem Niveau!

ASENBLUT @Hellraiser Leipzig; Pic by lightinmirror.de (c) 2025

Varg

Eingangs habe ich ja schon gesagt, dass die Raunächte eine Zeit der Reflexion sind. Für VARG muss dieser Abend eine klare Erinnerung daran gewesen sein, denn wenn man bedenkt, dass 1000 Fans für diese Party nach Leipzig gepilgert sind, dann muss man sich ja unweigerlich vor Augen halten, welchen Weg man gegangen ist, um diesen Meilenstein zu erreichen. Das etwa zweistündige Set an diesem Abend war eine perfekte Spiegelung dessen, denn es hielt einige Überraschungen bereit!

In typischer VARG-Manier wurde am Anfang mit Wir sind die Wölfe, Guten Tag und Immer Treu ordentlich Stimmung und Tempo aufgebaut. Die Stimmung kochte unter den Fans und es war spürbar, wie sehr die Vorfreude der Fans sich nun ihre Bahn brechen konnte. Monate der Spannung, der Aufregung und vielleicht auch der Ungewissheit realisierten sich in dem Infernal, mit dem VARG den Hellraiser überzogen. Es gab ab der ersten Sekunde des Auftritts niemanden, aber auch wirklich niemanden, der sich dieser Faszination entziehen konnte und es war wirklich elektrisierend. Besonders passend positioniert empfand ich hierbei auch die Live-Premiere von Varúlfr!

VARG @Hellraiser Leipzig; Pic by lightinmirror.de (c) 2025

Dass VARG zum Großteil Geschichten tapferer Krieger und Schildmaiden erzählen, ist ja kein Geheimnis, aber zum Jubiläum wurde deutlich, was diese Musik für einen Effekt hat: VARG sind wie kaum eine andere deutsche Band in der Lage, mit ihrer Musik eine treue Fanschaft zu begeistern, die nicht nur stets in Scharen zu den Konzerten strömt, sondern auch einen engen Zusammenhalt pflegt. Werte, wie Ehre, Familie, das Pflegen des alten Glaubens und eben auch der Freundschaft untereinander sind hierbei die Kernelemente einer innigen Beziehung zwischen der Band und ihren Fans. Untermalt wird das Ganze von einer Mischung aus intensivem Gitarrenspiel, fulminanten Drums und von Vocals von Fylgja und Freki, die je nach Gutdünken die Emotionen des Publikums gut steuern können.

Apropos Fylgja: Wir wissen alle, dass sie eine wirklich herausragende Sängerin ist, deren Stimmfarbe für mich so kämpferisch, wie auch einfühlsam ist. An diesem kalten Dezemberabend aber habe ich sie so gut, wie noch nie erlebt! Nicht nur die regulären Songs hat sie meisterlich gesungen, sondern die beiden Akustik-Songs in der Mitte des Sets waren der Moment, der mich tief berührte. Als besonderes Highlight hatten VARG nämlich Phönix und Seele, letzteren sogar als absolute Akustik-Weltpremiere, im Gepäck. Fylgja übernahm hierbei den Gesang allein und so wurde erneut deutlich, dass sie nicht nur schmückendes Beiwerk in einer von Männern dominierten Welt ist, sondern als Künstlerin etabliert ist und als Sängerin ihren Platz auf der Bühne hat. Der Auftritt war dabei so resilient, wie anmutig und hat mich tief berührt. Wenn ich mir daher für die Zukunft von VARG eine Sache wünschen könnte, dann wäre es, dass es ein fester Bestandteil der VARG-Sets wird, dass Fylgja mindestens einen Song alleine singt!

VARG @Hellraiser Leipzig; Pic by lightinmirror.de (c) 2025

Viel Gelegenheit zur vollen Verinnerlichung des Akustik-Sets gab es allerdings nicht, denn bei dieser Geburtstagssause der Superlative jagte ein besonderer Moment den nächsten! Wie ihr euch sicherlich denken könnt, gibt es keine Geburtstagsfeier, die ohne Ehrengäste auskommt. Neben dem Akustik-Gitarristen Andreas, fanden auch noch zwei weitere Sänger den Weg nach Leipzig. Zuerst konnte sich das Publikum über Draugr freuen, der zusammen mit der Band Schildfront performte. Wir hatten ja schon im Soundcheck gesehen, wer sich hier die Ehre geben würde, aber für das Publikum muss es eine wirklich große Überraschung gewesen sein, mit der niemand gerechnet hatte. 

VARG @Hellraiser Leipzig; Pic by lightinmirror.de (c) 2025

Aber doppelt hält besser und so hatten VARG direkt im Anschluss gleich den nächsten Special Guest in der Hinterhand: Geri! Zusammen mit Freki an der Gitarre erklangen dann auch schon die Töne von Wolfszeit. Wie Sänger Freki in seiner Anmoderation schon verlauten ließ, hatte man sich einfach in den letzten 15 Jahren aus den Augen verloren, aber wie oben schon erwähnt, stehen VARG ja auch für Zusammenhalt und so verwundert es nicht, dass man hier wieder zusammengefunden hat! Musik verbindet ja ungemein und es muss auch für die Musiker auf der Bühne ein wirklich erhebender Moment gewesen sein. 

VARG @Hellraiser Leipzig; Pic by lightinmirror.de (c) 2025

Leider, ja leider, muss alles auch irgendwann zu einem Ende kommen. Die große 20 Jahre VARG Jubiläumsshow endete aber ausgelassen mit dem Song Rotkäppchen, den ich persönlich nicht erwartet hatte, der aber dafür umso mehr Spaß gemacht hat! Es flogen rote Bälle ins Publikum, es wurde getanzt, es wurde mitgesungen und es wurde sich einfach nur gefreut. Was am Ende des Abends bleibt, ist für VARG die absolute Gewissheit, dass sie nach 20 Jahren mehr denn je in der Lage sind, die Menschen für sich zu begeistern und auch abseits von Festivals große Mengen anzuziehen. In diesem Sinne können wir uns auf die nächsten 20 Jahre VARG freuen!

VARG @Hellraiser Leipzig; Pic by lightinmirror.de (c) 2025

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