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Band: UNVERKALT
Album: Héréditaire
Genre: Post-Metal, Black Metal
Spiellänge: 50:11
Release: 27.02.2026 (via Season of Mist)

Wenn man viel mit Metal Bands zu tun hat, dann hört man zwangsläufig auch sehr viel Musik. Manches ist gut, manches ist komisch, manches findet man nicht gut und dann gibt es auch die Musikstücke, die so anders sind, das sich allein daraus schon ihre Monumentalität ergibt. Zugegeben, solche Alben sind selten geworden, was nicht zuletzt an der schieren Masse an Neuveröffentlichungen liegt, aber in Héréditaire von UNVERKALT habe ich das Glück ein eben solches Album gefunden zu haben.
Die großteilig aus Athen stammende und in Berlin ansässige Band hatte in der Vergangenheit vorwiegend mit „sanfteren“ Post und Avantgarde Metal Stücken auf sich aufmerksam gemacht und schon die erste Single des neuen Albums, Die Auslöschung, zeigte eindrucksvoll, dass sich die Winde dieser Band gedreht haben. Als Opener des Albums verdeutlicht der Song auf beeindruckende Weise, wie gut ihr Songwriting eigentlich ist. Die Auslöschung fühlt sich an, als käme man aus einer Nebelwand direkt auf einen dunklen Abgrund zu. Mit Einsatz des intensiven Schlagzeugspiels, stürzt man diesen Abgrund hinunter und ist an dessen Ende konfrontiert mit einem Kollaps des Seins, der gefühlsmäßig das gesamte Album vorwegnimmt.
Dem Album wohl zudem eine, teils radikale, Emotionalität inne, die mir lange in der Szene in der Form gefehlt hat. Dies zeigt sich auch vor allem im dritten Song des Album Ænæ Lithi. Zwar ist dieser Song weniger aufbäumend als andere auf dem Album, aber der Schmerz und die Verzweiflung hinter der Musik sind doch nahezu greifbar. Der Song erzählt die Geschichte des großen Feuers von Smyrna und das hierbei vertonte Inferno reißt uns in Abgründe, die erschrecken und gleichzeitig ergreifen. Die Ausweglosigkeit der Opfer, die Last der Erinnerung der Hinterbliebenen und das Hadern mit dem Schicksal werden hier so roh und echt transportiert, das man fast das Gefühl hat, man würde es selbst durchleben. Hierbei zeigt sich, was UNVERKALT meisterhaft beherrschen: Der Blick auf die Emotionen des Individuums geschieht nicht von Außen, der Zuhörer ist kein bloßer Beobachter, im Gegenteil! Wir werden mitten in ein Wirbelsturm der Empfindungen geworfen und müssen erkennen: Unseren emotionalen Ballast tragen wir immer bei uns, egal, ob uns das bewusst ist, oder nicht.
Als besondere Unterstützung dessen empfinde ich den Einsatz der unterschiedlichen Sprachen! Zwar ist die Mehrheit der Lyrics auf Englisch verfasst, es fehlt aber auch nicht an griechischen Einstreuern, die gekonnt gesetzt sind. Nichts ist so echt, wie die Empfindung, die man über seine Muttersprache transportiert und dass UNVERKALT hier bewusst die Sprache wechseln, um ihren Punkt zu verdeutlichen, ist ein enormer Gewinn für die jeweiligen Songs und das Album insgesamt. Zwar kann man dann, sofern man kein Griechisch spricht, nicht alles wortwörtlich verstehen, aber darauf kommt es in den von UNVERKALT erschaffenen Klangwelten auch nicht an. Das Album ist so intensiv, so dunkel, so real, dass man das Transportierte auch ohne entsprechende Sprachkenntnisse erfassen kann.
Apropos Griechisch: Wenn man an Black Metal und Griechenland denkt, dann muss dort auch der Name ROTTING CHRIST fallen. Im Sänger Sakis Tolis haben UNVERKALT einen wirklich passenden Feature-Partner für das Monument I, The Deceit gefunden, der an siebter Stelle des Albums nochmal für eine zusätzliche Betonung des Anspruchs dient, den UNVERKALT an sich selbst stellen. Der Song ist ein Infernal von epischer Schwere, an der ich mich einfach nicht satt hören kann. In einer Welt, die zusammenzubrechen scheint, schreit uns Tolis seine Wut entgegen, während Sängerin Dimitra den passenden Wehklang anstimmt. Es ist ein Song, der die Hilflosigkeit der Gesellschaft ob des katastrophalen Zustands unserer Welt perfekt vertont und gleichzeitig als Spiegel für die eigene Untätigkeit fungiert. Wie alles, was UNVERKALT auf diesem Album unternimmt, ist dieser Song pure Songwriting-Perfektion.
Insgesamt besticht das Album durch so viele Details und immenses Können seitens der beteiligten Musiker, dass es schon fast unglaublich ist, dass es absolut nicht überladen wirkt. Wie auch seine Vorgänger, ist Héréditaire ein cineastisches Werk mit viel Atmosphäre, aber gleichzeitig haben UNVERKALT auch eine Formel gefunden, um noch härter zu werden. Die Band verliert sich dabei aber nicht in irgendwelchen Spielereien. Im Gegenteil! Das Extreme trifft hier auf das Sanfte und bildet so das Fundament für ein absolut echtes Album, das einen lange begleitet. Alles in allem ist das auf jeden Fall ein Album, dass sich auf jeden Fall unter den Top 10 Metal Releases im Jahr 2026 finden wird!


1 Kommentar zu „Cineastischer Black Metal – Review zu Héréditaire von UNVERKALT“