Kompass, Kontraste und co. – Rockharz 2025 Tag 3

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Wir sind beim Rockharz Tag 3 für 2025 angelangt und wer sich bisher dachte: „Wo kommt denn mal was zum Thema Inklusion?“, der wird jetzt seine Antwort finden. Auch in diesem Jahr hat sich Björn Schulz vom Inklusionsteam viel Zeit genommen (trotz seines Stresses!), um mir meine Fragen zu beantworten. Solltet ihr zum Thema Inklusion auf dem Rockharz Fragen, Meinungen oder Anregungen haben, dann steht euch das Inklusionsteam per Mail unter inklusion@rockharz.de jederzeit zur Verfügung!

Hier erfahrt ihr jedenfalls erstmal, was sich in diesem Jahr geändert hat, wie mir die Bands diesem dritten Festivaltag gefallen haben und warum mir die Running Order speziell an diesem Tag gar nicht zugesagt hat!

Rockharz 2025; Pic by lightinmirror.de (c) 2025

Jedes Jahr ein bisschen inklusiver!

Nachdem es hier ja auch irgendwie zur Tradition geworden ist, dass wir einen Teil des Tagesberichts der Inklusion auf dem Festival widmen, ist nun genau der Moment dafür gekommen! Mein Dank gilt, wie auch schon in den letzten Jahren, Björn Schulz, der sich wieder viel Zeit für mich und meine Fragen genommen hat!

In diesem Jahr gab es eine Neuerung, die ich besonders interessant fand: Es war der Start der Navigationsapp „Rockharz Kompass“. Es handelt sich hierbei um eine App, mit der sich Menschen über das Gelände navigieren können. Es werden hierbei virtuelle Wege angelegt, anhand derer einen die App dann über das Festivalgelände lotst. Enthalten in der App sind nicht nur wichtige Punkte, wie die Bühne, die Sanitäranlagen und die Inklusionsareale, sondern auch Essens- und Warenstände inklusive einer groben Übersicht über deren Angebot. Laut Björn war die Resonanz zur Funktionalität der App bisher positiv, aber das hat das Team nicht davon abgehalten, auch vor Ort noch Verbesserungen vorzunehmen. Das Orientierungsfeedback war in der Ausgangsversion der App etwa per Audio zu vernehmen. Das macht sich logischerweise bei einem Festival nicht so gut, weswegen es das Feedback nun per Vibration gibt. 

Schon jetzt hat „Rockharz Kompass“ viele wichtige Hilfestellungen in sich vereint, die es Menschen erleichtern, sich vor Ort zu orientieren: Zusätzlich zu den gegebenen Punkten, wie etwa der dynamischen Running Order, konnten NutzerInnen auch eigene Orientierungspunkte in der App hinterlegen. Insbesondere der Standort des Zeltes ist ja etwas Individuelles, dem mit diesem Feature Rechnung getragen wurde. Wer schon einmal im Dunkeln (und ggf. auch an- bzw. betrunken) sein Zelt auf dem Campground gesucht hat, der weiß, was für ein schwieriges Unterfangen das mitunter sein kann. Wie schwer muss es dann erst für diejenigen sein, die nicht im Vollbesitz ihrer Sehkraft sind? Hier schafft die App wirklich eine gute Abhilfe, von der andere Festivals noch eine ganze Menge lernen können!

In diesem Jahr ist das Inklusionscamp auch wieder um etwa ein Drittel auf 300 Personen gewachsen und das zeigt den enormen Bedarf an solchen Angeboten! Auf dem Kanal von Mr. Wheelchair könnt ihr auch nochmal sehen, wie genau sich die Angebote in diesem Jahr dargestellt haben. Besonders hervorzuheben ist aus meiner Sicht der E-Rollstuhlverleih, der in den kommenden Jahren auch noch ausgebaut werden soll. Der große Dank, der sich hier logischerweise für all die Mühen anschließen muss, der gilt der Lebenshilfe Rautheim und all ihren Mitarbeitenden vor Ort! 

Rockharz 2025; Pic by lightinmirror.de (c) 2025

Achtung, Kontraste!

Von HARPYIE habe ich an dem Tag leider nur die letzten beiden Songs mitbekommen. Ich wollte einfach ein bisschen mehr schlafen als an den Tag zuvor. Aber es war sehr nett, dass sie das Publikum dazu gebracht haben, den Staub von HEAVEN SHALL BURN vom Vortag ein bisschen wegzuwedeln!

Erstes Tageshighlight für mich waren die Franzosen von AEPHANEMER. Ich folge dieser Band seit ihrem 2016er Release Memento Mori, aber irgendwie habe ich es noch nie geschafft sie live zu sehen! Es war also die perfekte Gelegenheit, um das mal zu ändern. Mit ihrer wundervollen Mischung aus Symphonie, Gitarrenaction und vielseitigen Vocals haben sie sich mit Sicherheit nicht nur noch tiefer in mein Herz gespielt, sondern auch in die Herzen des zahlreich erschienen Publikums. Wenn man so viele Bands erlebt und so viel Musik hört, wie ich, dann ist es wirklich schwer noch ernsthaft überrascht zu sein. AEPHANEMER haben aber genau das geschafft und ich habe jede Minute des leider viel zu kurzen Sets genossen!

Während DESERTED FEAR die Bühne erobert haben, ging es für mich zu Interview Nr. 1 an dem Tag! Da ich auch kein Fan von VADER bin, hab ich die Zeit des Sets für ein bisschen entspannen und etwas schreiben an den Berichten genutzt. 

Rockharz 2025; Pic by lightinmirror.de (c) 2025

Mein zweites Tageshighlight waren dann DRACONIAN, die ja nun schon enorm oft gebucht worden waren, aber an dem Tag zum allerersten Mal auf der Rockharz Bühne standen. Das Set war eine Hommage an die langjährige Bandgeschichte der Schweden, die so lange auf ihren Auftritt auf dem Rockharz warten mussten. Allein schon der Beginn mit The Sacrificial Flame und dem Übergang zu Elysian Night war einfach so wunderschön! Sängerin Lisa wieder mit den Liedern aus A Rose for the Apocalypse und Turning Season Within zu hören, hat mir einen so wundervollen Schauer über den Körper gejagt. Es war ein ganz besonderes Hochgefühl, das durch die emotionale Performance der Band nur noch verstärkt wurde. Der Höhepunkt für mich war dann der Song Bloodflower, der zu Recht als ein Klassiker der Banddiskografie bezeichnet werden kann. Der einzige Wermutstropfen in Bezug auf den Auftritt war für mich die Uhrzeit: DRACONIAN spielten von 16:15 bis 17:00. Zu dieser Uhrzeit ist es logischerweise im Sommer noch taghell und so kann die Stimmung, die es für ein gutes DRACONIAN-Konzert braucht, einfach nicht aufkommen. Hier hätte man im Booking bzw. Erstellen der Running Order etwas besser hinschauen können. Gemessen an der Spielzeit von 45min wäre eine andere Reihenfolge besser gewesen. Ich hätte etwa OVERKILL auf den Slot von DRACONIAN gesetzt, dann hätte ich GLORYHAMMER und CRADLE OF FILTH getauscht, um so starke Kontraste zu vermeiden. So wäre das etwas zielführender gewesen. Mal ganz abgesehen davon, dass ich wahrscheinlich DIE KASSIERER wesentlich früher (oder am besten gar nicht) hätte spielen lassen, hätte man hier in der Running Order wirklich ein bisschen mehr Feingefühl für die stilistischen Unterschiede der Band haben müssen! Es ist nicht fair, wenn man die Kontraste zu stark gestaltet, denn letztlich sehen sich die Bands dann einem Publikum gegenüber, das dort für die kommenden Bands dort campiert. Das gleiche Problem hatte ich schon 2023 mit TRIBULATION, die durch eine sehr kontrastreiche Running Order ebenfalls sehr untergegangen sind und von denen ich auch sicher weiß, dass die damit sehr unzufrieden waren…

DRACONIAN @Rockharz 2025; Pic by lightinmirror.de (c) 2025

Meine Überraschung des Tages waren dann ANY GIVEN DAY. Ich nehme mir ja immer vor, die auftretenden Bands so gut wie möglich im Blick zu haben, um abschätzen zu können, wer sich im Interview lohnen könnte. Aber ANY GIVEN DAY sind mir doch da glatt durchgerutscht! Das Set war voller Power und Spielfreude und eine anglophil veranlagte Person würde mit Sicherheit sagen: „I felt truly BLEGHssed!“ In mir haben ANY GIVEN DAY an diesem Tag auf jeden Fall einen neuen Fan gefunden und sie werden so schnell auch nicht mehr von meinem Radar verschwinden!

Zu DIE KASSIERER will ich meine Worte jetzt nicht verschwenden, da muss jeder selbst entscheiden, was man davon hält und da ich kein Fan von Thrash Metal bin, habe ich auch OVERKILL ausgelassen.  

Tageshighlight Nummer drei habe ich dann aber vollständig verfolgt, denn sind einige Jahre vergangen seitdem ich GLORYHAMMER live gesehen habe! Ich war früher ja mal ein sehr großes Power Metal Girlie und auch wenn ich das in den letzten Jahren zu 90% abgelegt habe, faszinieren mich einige Bands doch noch sehr. GLORYHAMMER sind eine solche Band und schon mit dem Intro-Song Delilah von Tom Jones (unterstützt durch einen Pappaufsteller des Sängers) hatten sie mich! In gewohnt schneller Spielmanier brachte die Band um Sänger Sozos … ähm… ich meine natürlich Angus McFife schnell die Menge zum Tanzen. Der erste Song The Land of Unicorns war schon der erste Anlass für die Ohrwurm-Warnung und diese starke Energie erhielt die Gruppe auch die ganze Zeit aufrecht. Das Bühnenbild, das einer Festung nachempfunden war, war an diesem Tag auch mein Favorit auf den Rockharz-Bühnen. Ich fand es da auch schon etwas schade, dass man es nicht besser in die Show einbezog, vor allem auch, weil der heroische Kampf gegen einen Goblin und seinen Meister Zargothrax, sowie das kunstvolle Konsumieren eines ganzes Bieres in einem Zug durch den Hootsman für wahrlich stilvolle Zwischenspiele sorgten. Man merkt der Band einfach an, dass sie extrem gut eingespielt sind und das steigert die Freude nur noch. Die neuen Songs, He Has Returned und On A Quest for Aberdeen, haben dem Rockharz dabei auch schon einen interessanten Einblick in kommende Abenteuer von Angus McFife und seinen Mitstreitern. ich würde mir wünschen, dass in einem der kommenden Releases irgendwo ein Dinosaurier (am besten ein neonfarbener T-Rex) vorkommt, denn ein paar Crowdsurfer in aufblasbaren Dinokostümen haben eindrucksvoll gezeigt, wie gut das zu GLORYHAMMER passt! Wenn ich einen Kritikpunkt an diesem Auftritt äußern müsste, dann, dass sie nicht noch länger gespielt haben. (Ist das hier die perfekte Gelegenheit, um zu erwähnen, dass ihr hier bald noch mehr von ihnen lesen werdet…?)  

GLORYHAMMER @Rockharz 2025; Pic by lightinmirror.de (c) 2025

Nach GLORYHAMMER hatten CRADLE OF FILTH einen denkbar schweren Start, der man mit ein paar Justierungen (siehe oben) sehr einfach hätte vermeiden können.

Auch wenn der Wechsel „OMG Einhörner“ zu „Du willst Horror? Du kriegst Horror!“ für mich schwer war, habe ich mich trotzdem sehr auf die Band um Gesangsikone Dani Filth gefreut. Die Musik der Band ist mit Sicherheit nicht für jeden etwas, aber mich hat schon immer der vielseitige Gesang fasziniert. Wenn man bedenkt, dass die Texte vielschichtige (Horror-)Geschichten erzählen, dann passt es aber aus meiner Sicht sehr gut! Sehr gut fand ich auch die Songauswahl der Band, die ihren Schwerpunkt auf dem aktuellen Album The Screaming of the Valkyries gelegt hatte. Dass mein Favorit aus dem Album, To Live Deliciously, darunter war, hat mich natürlich besonders gefreut! Der Auftritt war ein wundervoll-schauriges Zusammenspiel aus den Fähigkeiten der einzelnen Musiker, das von der hohen Professionalität und Passion der Bandmitglieder zeugte. Während Sänger Dani seine spezielle Kunst zum Besten gab, waren die Anderen keineswegs nur schmückendes Beiwerk. Insbesondere Keyboarderin Zoe hat mit ihrer glockenhellen Stimme die Songs stilvoll bereichert. Schade nur, dass der Auftritt schon wieder so schnell vorbei war!

Bitte steinigt mich jetzt nicht, aber ich find MONO INC. einfach nicht gut und so habe ich das genutzt, um mal was zu essen und einfach mal den Umstand zu genießen, dass ich auf einem Festival bin!

POWERWOLF @Rockharz 2025; Pic by lightinmirror.de (c) 2025

Headliner des dritten Rockharztages waren dann POWERWOLF, die ja wirklich konsequent alle zwei Jahre zu Gast sind. Insofern war ich auch der Auffassung, dass mich da nicht wirklich etwas überraschen kann. Ich halte POWERWOLF für eine Band voller guter Musiker, aber mich stört, dass bei ihnen alles so einstudiert ist und das kaum Raum für Spontanes lässt. Vor jedem Set kann ich mir ganz genau denken, was an welcher Stelle passieren wird und reizt mich dann eben einfach nicht mehr. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass es ein ganzes Festival gab, was sich auf diesen Auftritt gefreut hat und das Infield war so voll wie selten zuvor! Ich lehne mich auch nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich sage, dass POWERWOLF die deutsche Antwort auf GHOST sind. 

Bei all meiner Überdrüssigkeit dieser Band gegenüber, muss ich ihnen aber auch neidlos zuerkennen, dass sie immer eine wirklich gute Show abliefern, die für mich weniger durch die aufwändigen Pyrotechnikeffekte getragen wird, sondern vor allem durch die coolen Artworks, die sie auf die LED-Wand projizieren. Jedes Mal, wenn sich der arme Falk Maria mehr oder weniger freiwillig einer Feuerquelle nähert, kann die Juristin in mir einfach nicht anders als „Oha! Eigenverantwortliche Selbstgefährdung“ zu denken! (Falk Maria, wenn du dich mal verletzt, ruf mich an, ich hab da eine professionelle Meinung!!) Aber apropos Feuer: Eine große Überraschung gab es für mich dann doch noch, denn es gab ein ganz wundervolles Feuerwerk, das ich so beim Rockharz auch noch nicht erlebt habe bzw. kann ich mich nicht erinnern etwas in der Form schon einmal beim Rockharz gesehen zu haben! Das würde ich mir im nächsten Jahr auch definitiv nochmal wünschen!

Mein letztes Highlight an dem Tag waren aber definitiv die Isländer von SÓLSTAFIR! Wer sie schon einmal live gesehen hat, der weiß, dass sie eine der wohl atmosphärischsten Bands in unserem Genre derzeit sind und es war eine Stimmung bei dem Auftritt, die ich gerne auf ewig konservieren wollte! Es war wirklich der perfekte Ausklang für so einen ereignisreichen Tag. Jede einzelne Note, jeder Akkord und jede Bewegung der Musiker hat mir hier nicht nur eine Gänsehaut gezaubert, sondern war auch voller Hingabe und Emotion. Das teils blaue Licht, der leichte Nebel auf der Bühne und die sanfte Brise, die über das Festivalgelände strich, waren der passende Rahmen für die Klänge, die uns in die rauen isländischen Landschaften entführten. Wer sich das hat entgehen lassen, hat wahrlich etwas verpasst und ich weiß, dass wir noch lange von diesem intimen Auftritt zehren werden!

Man sagt ja alle guten Dinge sind drei und wenn euch nur drei der vier Tage Rockharz 2025 interessieren, dann stimmt das für euch auch! Aber hier gilt „Vier gewinnt“ und darum erwartet euch hier bald noch der vierte Tagesbericht, sowie die noch verbleibenden Interviews!

SÓLSTAFIR @Rockharz 2025; Pic by lightinmirror.de (c) 2025

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