Find the English version here.
Roadtrips sind ja immer spaßig und noch viel unterhaltsamer ist es, wenn man weiß, dass am Ziel der Reise etwas ganz Besonderes auf einen wartet. In den meisten Fällen fährt man bei einem Roadtrip ja von Zuhause weg. Das war in unserem Fall auch so, aber irgendwie sind wir trotzdem in der Heimat gelandet – nämlich in der Heimat von HEAVEN SHALL BURN, in der Sparkassen-Arena Jena! Gut, ihr aktuelles Album heißt Heimat und da war das jetzt ein leicht billiger Witz, aber hey, das soll auch mal erlaubt sein! Wenn man eine fette Home-Town-Show spielt, braucht man auch passende Gäste und das waren im vorliegenden Fall FROZEN SOUL, THE BLACK DAHLIA MURDER und THE HALO EFFECT. Wie der Abend für uns war und warum es eher eine außerordentliche Mitgliederversammlung eines lokalen Fußballvereins war, lest ihr weiter unten im Artikel!
Danke an lightinmirror.de für die genialen Bilder!

Frozen Soul
Als Direktimport aus den USA eröffneten FROZEN SOUL den Abend und in einer solch großen Arena als erstes die Bühne zu betreten, kann nicht einfach sein. Wenn man bedenkt, dass sicherlich nur ein verschwindend geringer Teil für die Death Metal Band um Sänger Chad Green da war, dann wird die Situation nicht unbedingt besser.
Als Intro-Musik hatte sich das Quintett für Balls to the Wall von ACCEPT entschieden, was aus meiner Sicht eine gute Wahl war, auch wenn sie nicht wirklich zum musikalischen Stil der Band passte. Der teils groovy Death Metal Sound der Texaner war stellenweise schleppend und hat in den peripheren Bereichen der Halle nicht überzeugen können. Die schnelleren Passagen waren solide, wenn auch etwas Old School. Ich denke, als Europäer sind wir so viel guten Death Metal gewöhnt, dass es die amerikanischen Bands bei uns ungleich schwerer haben… Zumal man bei einem Konzert der Metalcore-Größen HEAVEN SHALL BURN auch anderes bei der Vorband erwartet…
Insgesamt ist der Eindruck von FROZEN SOUL ein durchwachsener, denn das Potenzial für facettenreiche Musik hatten sie auf jeden Fall, aber jedes Mal, wenn es musikalisch interessant wurde, hat der dröhnende Bass-Sound das etwas ruiniert… Aber ich bin mir sicher, dass es beim nächsten Mal besser wird! An dieser Stelle aber ein großes Lob an den Sänger, der sich unverzüglich nach der Show zum Merch begeben und so einigen Fans sicherlich eine große Freude gemacht hat!

The Black Dahlia Murder
Mensch, ist das lange her, seit ich THE BLACK DAHLIA MURDER zuletzt live gesehen habe! Damals waren sie noch in anderer Besetzung mit INSOMNIUM auf Tour! Seitdem ist zweifelsohne viel passiert und meine Erwartungen waren dementsprechend hoch.
Ihr Auftritt war auch wesentlich intensiver und spürbar erfahrener als der von FROZEN SOUL. Wenn man an amerikanischen Death Metal denkt, dann kommt man nicht umhin auch THE BLACK DAHLIA MURDER zu benennen. Die Art und Weise, wie sie ihr Set spielen, ist einfach etwas besonderes und muss auch definitiv gewürdigt werden!
Ich würde allerdings auch hier sagen, dass sie für mich nicht wirklich ins Line-Up gepasst haben und ich mir hier auch lieber eine Metalcore oder Melodic Death Metal Band wünscht hätte. Für zusätzliche Verwirrung sorgte bei uns auch ein als Affe verkleideter Mensch, der komplett random auf der Bühne rumsprang… Was sollte das?? Kann mir das jemand sagen?? Das bleibt auf jeden Fall in Erinnerung!

The Halo Effect
Wer an diesem Abend genug Glück hatte, konnte vor der Show noch Mikael Stanne an der Bar treffen! Für diejenigen, die noch drinnen mit THE BLACK DAHLIA MURDER beschäftigt waren, trat der Schwede erst später zusammen mit seiner Band auf die Bühne. Dass man es hier mit THE HALO EFFECT zu tun hatte, ergab sich nicht nur aus der (zugegeben offensichtlichen) Konzertankündigung, sondern auch visuell aus der Mischung aus grünem Licht und einer Extraportion Nebel, für die die Schweden mittlerweile bekannt sind.
Während wir uns noch die Frage stellen, wie viele Bands ein Normalsterblicher eigentlich haben kann, ist auf der Bühne schon ganz viel los. Es war merklich, wie unterschiedlich die Stimmung bei THE HALO EFFECT im Vergleich zu THE BLACK DAHLIA MURDER und FROZEN SOUL war. Es enstand für uns der Eindruck, dass das Publikum den Göteborger Melodic Death merklich bevorzugte, was gemessen an der Popularität der Band als solcher und ihrer Mitglieder eigentlich kein Wunder ist.
Musikalisch war es einfach fehlerlos und wahrlich fantastisch! Als große Fans dieser Band können sie für uns auch nicht wirklich etwas falsch machen. Mit Songs wie The Needless End oder Become Surrender wurde die gute Laune förmlich in die Sparkassen-Arena gedröhnt. Zugegeben, dieses Dröhnen ist auf Dauer auch kein Ausdruck guten Sounds, aber bei THE HALO EFFECT hielt sich das in Grenzen, sodass man das verzeihen kann.Insgesamt war es ein sehr guter Auftritt, der zwar erwartbar, aber trotzdem für uns ein wirkliches Highlight an dem Abend war.

Heaven Shall Burn
Apropos Highlight: Im vergangenen Jahr hatten wir ja die Ehre ein Interview mit Maik zu bekommen und HEAVEN SHALL BURN zusammen mit Britta Görtz auf dem Rockharz zu erleben. Eigentlich war da schon klar, dass wir uns in diesem Album-Zyklus nochmal eine komplette Headliner-Show anschauen mussten.
Wie auch schon beim Rockharz war zu Beginn die Bühne durch einen Vorhang verhangen worden, auf dem nochmal für die Wacken-Blutspende-Aktion geworben wurde, über die man sich auch Tickets für die Shows der Tour „erspenden“ konnte.

Die Spannung auf den Start war fast schon greifbar, was nicht zuletzt auch an den anschwellenden Tönen lag, die dann in den Eröffnungssong War is the Father of All mündeten. Dicht gefolgt von Voice of the Voiceless und My Revocation of Compliance war hier die Marschrichtung schnell vorgegeben. Das für den dritten Song versprochene Konfetti war jedoch optisch eher ein Verwandter des Klopapiers, war aber trotzdem effektvoll! (Wer muss das in so einer Halle eigentlich von der Decke holen???)
Was aber von Anfang an klar wurde, war die wirklich gute Vocal Performance von Frontmann Marcus Bischoff, der nach seiner Stimmbandverletzung im vergangenen Jahr besonders hart an sich und seiner Stimme gearbeitet haben muss. Seine Stimme war kraftvoll, mächtig und dabei doch kontrolliert und es war absolut bewegend das erleben zu dürfen. Wir können an dieser Stelle nur spekulieren, aber dass man in seiner Heimat nach all dieser Dramatik um die eigene Stimme eine solche Show spielen kann, die zudem von allen Freunden, Verwandten und Arbeitskollegen besucht wird, muss einfach hochemotional sein.
Stichwort Heimat: HEAVEN SHALL BURN sind bekanntermaßen Trikotsponsoren für den FC Carl Zeiss Jena. An diesem Abend in Jena waren so viele Menschen mit einem solchen Trikot vor Ort, dass man, wie Gitarrist Maik Weichert zutreffend bemerkte, schon von einer außerordentlichen Mitgliederversammlung des Vereins sprechen konnte. Zuhause ist es eben immer noch am schönsten!

Außerhalb der Ansagen gab es aber keine Zeit für Pausen oder Momente zum Durchatmen, denn es wurde ein Banger nach dem nächsten präsentiert: Von Armia über Confounder zu Godiva und Endzeit hatte die Band auch ein paar (G)Oldies dabei: So schafften es etwa The Martyr’s Blood und The Weapon They Fear auf die wirklich herausragende Setlist. Ein persönliches Highlight war dabei auch Whispers from Above, der Song, der Irene Guth und ihrer Widerstandstätigkeit gewidmet ist. Gerade in den aktuellen Zeiten ist das ein überaus passender Song, der das Set gen Ende perfekt abrundete! (Mal ganz abgesehen davon, dass Valhalla der letzte Song war)
Alles in Allem war es eines der wohl besten Konzerte einer deutschen Band, die wir je gesehen haben und zumindest unsere Fanherzen waren überaus befriedigt!

1 Kommentar zu „Außerordentliche Mitgliederversammlung – HEAVEN SHALL BURN in Jena“