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Über das diesjährige Wacken-Desaster kann man sicherlich viel sagen. Ein nicht zu leugnender Nebeneffekt war jedoch, dass kleinere Festivals zum Auffangbecken all jener wurden, die es nicht auf den sogenannten „Holy Ground“ schafften. Eines dieser kleinen Festivals war das Helmfest. Wir haben dieses Jahr einen Tagesausflug nach Helmstedt gemacht, um herauszufinden, wovon alle immer so schwärmen!
So viel sei vorab verraten: Das Helmfest wird auch 2024 wieder stattfinden. Tickets gibt es schon jetzt im Shop zu kaufen!
lightinmirror.de war natürlich auch wieder dabei – inklusive Kamera und Galaxy-Taco-Katzenpulli!

Des einen Freud…
Ja, ja, ok, im Einleitungstext fehlten ein paar Infos und auch etwas Kontext, aber es muss ja auch irgendwie spannend sein!
Für die ganze Story müssen wir ein paar Tage vor dem Start des Helmfests (bzw. Wacken) ansetzen: Zu diesem Zeitpunkt war der Ticketshop des Helmfests bereits geschlossen und es waren noch ca. 200 Tickets übrig. Man kann jetzt sicherlich sowas in Richtung „Ja gut, das ist ja nicht so viel!“ denken, aber wenn man bedenkt, dass es nur insgesamt 1000 Tickets zu je 64€ (bei einer privat organisierten Veranstaltung!) gab, dann ist es schon signifikant, wenn 200 Tickets übrig bleiben.
Es folgte dann das bereits bekannte Wacken-Schlamm-Desaster, was eine Menge festivalwütiger Metalfans gestrandet sitzen ließ. So passierte dann das Unglaubliche: Das Helmfest öffnete den Ticketshop und es kamen genug Kurzentschlossene zusammen, dass wenig später das SOLD OUT verkündet werden konnte! Ein Umstand, den die lokalen Medien übrigens auch in großem Umfang aufgefasst haben!
Für uns war das Helmfest ohnehin ein interessanterer Spot als ein überkommerzialisiertes Festival, das weniger für die Musik besucht wird als für den Umstand, dass man hinterher sagen kann, man sei dort gewesen.

An dieser Stelle muss ich aber auch mal explizit herausstellen, wie hervorragend man sich um uns bemüht hat! Das hab ich so noch nicht erlebt! Wir wurden perfekt versorgt und mein persönliches Highlight waren die frischen Obstteller im Backstage. Durch eine Partnerschaft mit einem lokalen Obsthof war das nicht nur sehr frisch, sondern (wahrscheinlich) auch noch regional. Riesen Dank dafür!
Das Gelände war sehr geräumig und die Essens- und Getränkestände waren gut verteilt. Nur den Essensstand direkt am Eingang neben der Bühne fand ich etwas unglücklich gewählt. Da kann man aber sicherlich im nächsten Jahr nachbessern. Auf dem Gelände zugegen war auch das Rockharz, das seinen „Teufelszeuch“-Schnaps/Likör/Whatever anbot. (Ich hab leider keine Ahnung, was genau das eigentlich ist, außer, dass es witzig aussieht und fruchtig riecht. Ich trinke ja keinen Alkohol…)
Zwar war das Helmfest auch nicht von Regenfällen und entsprechenden Matsch-Zuständen verschont geblieben, aber das Festival-infield war durch Einsatz von Holz-Schnitzeln und Stroh sehr gut begehbar, wenn man sich ordentliche Schuhe angezogen hatte. Ich war allerdings froh, dass ich nicht, wie eigentlich geplant, auf dem Campground gefahren bin, um dort zu parken. Da war es auch ziemlich schlammig und ich wäre mit meinem Auto sicherlich nur schwer wieder herausgekommen…
Alles in Allem hatten wir aber einen wundervollen Tag voller guter Musik, wundervoller Gespräche und toller Wiedersehen. Das lag vor allem auch an der engagierten Organisation eines Teams, das zu 100% hinter dieser Veranstaltung steht. So viel Herzblut ist etwas unheimlich wertvolles und bei uns ist diese Passion definitiv angekommen!

Thank you for the Music
Aber nun zu dem, weswegen ihr (vielleicht?) diesen Beitrag lest: Die Metal-Musik!
Den Auftakt an diesem wechselhaften Freitag machten TEMPEST und SEDUCER zwei Heavy-Metal-Bands, die man getrost in einem Atemzug nennen kann, da sie, bis auf kleine Unterschiede in der Besetzung, eigentlich die gleiche Band sind. Stilistisch war das cleaner, wenn auch etwas altmodisch wirkender Heavy Metal, an dem ich vor allem die Unaufgeregtheit sehr zu schätzen wusste. Mir ist nur nicht ganz klar, warum es hier direkt zwei Bands gibt, die so ähnliche Musik machen, dass wir im Backstage nicht mal beim Hören gemerkt haben, dass schon die zweite Band spielt… In jedem Fall ein guter Start in den Tag!
Weiter im Programm ging es dann mit SKELFIR, einer Viking/Death Metal Band aus dem Westerwald. Das hat mich musikalisch schon wesentlich mehr abgeholt! Für mich waren da unheimliche viele spannende Einflüsse in die Musik zu hören und die Band hatte auch merklich Spaß ihre Musik live zu spielen. Mich hat nur ein bisschen gestört, dass der Sänger sich so unglaublich in Schale geworfen hat, dass die restlichen Musiker ein bisschen wie seine Begleitband wirkten. Das ist sicherlich innerhalb der Band absolut nicht so, aber ich finde, dass entweder alle sich kostümieren sollten oder dann eben nicht. Die Diskrepanz war auch deswegen so groß, weil alle Bandmitglieder ein SKELFIR-Shirt trugen, während der Sänger mit Kilt, Wikinger-(?)Oberkleid und Fell geschmückt war und sich sein halbes Gesicht schwarz geschminkt hatte. Hätte er das Outfit gegen ein SKELFIR-Shirt getauscht, wäre das ganze irgendwie stimmiger für mich gewesen. Nichtsdestotrotz ist das aber eine Band, auf die man szenenintern gerne mal achten kann!
Im Vorfeld des Helmfests wurden mir die nachfolgenden HEADSHOT besonders angepriesen, aber ich stoße auf ein altbekanntes Problem meinerseits: Ich hasse Thrash-Metal. Ich komm da einfach nicht ran, egal, wie sehr ich es versuche. Aber ich versuche jeder Band eine Chance zu geben und ich muss sagen, dass der Auftritt wirklich gut war! HEADSHOT haben alle vorangegangen Bands locker an die Wand gespielt und eine enorm gute Show gemacht. Vor allem die Bühnenpräsenz der Sängerin war bombastisch! Wenn man jetzt das Intro vor dem Auftritt noch etwas kürzt, dann hab ich nichts mehr zu meckern (außer, dass es halt Thrash Metal ist xD)

Band Nummer 5 des Tages waren KING LEORIC. Als ich mir im Vorfeld ihre Musik angehört hab, fand ich die Musik ziemlich dürftig abgemischt, sodass mir echt schon böses schwante als die Band auf die Bühne kam. Die Befürchtung hat sich aber nicht bewahrheitet. Live war es um einiges besser als auf den Aufnahmen. Nichtsdestotrotz hat es mich nicht wirklich abgeholt. Es war jetzt nicht schlecht oder so, aber ich empfand den Stil der Musik etwas veraltet. Gerade im Bereich Heavy Metal ist die Konkurrenz-Landschaft so enorm, dass man sich heutzutage wirklich etwas einfallen lassen muss, um im Gedächtnis der Leute zu bleiben. Das hat mir bei KING LEORIC leider etwas gefehlt…
Umso eindrücklicher waren dann aber CONVICTIVE. Wenn man Gestalten in komplett schwarzen Klamotten und Corpse-Paint auf der Bühne sieht, dann weiß man schon, wo es gleich langgeht. Mit der klar definierten Marschrichtung machte sich das Quintett sich sogleich an die Arbeit und demonstrierte dem Helmfest, was guten (Atmospheric) Black Metal ausmacht! Auch der Umstand, dass hier unüblicherweise eine Frau den Gesang übernimmt, lässt die Band noch mehr auffallen. Die Musik war dunkel und aggressiv, hatte aber auch einen gewissen melancholischen Touch, wie ich fand. Kurzgesagt: Ich war schon ein bisschen verliebt!
Weil Kontraste ja bekanntlich alles sind, folgten sogleich die Power-Metal-Märchenerzähler von TERRA ATLANTICA. Im Kontext des Line-Ups hatten sie es an diesem Tag sicherlich am schwersten: Vor ihnen die Black Metaller von CONVICTIVE und nach ihnen die Lokalmatadoren von KAMBRIUM. Aber es hilft ja alles nichts… Darum wurde direkt das Fischernetz über das Schlagzeug geschmissen, die Kostüme angezogen und dem Publikum erstmal gezeigt, dass Atlantis schon ganz nice und die industrielle Revolution doch nicht so langweilig ist! Da Power Metal bekanntlich auch immer Spaß macht, überrascht es nicht, dass hier auch direkt ein Pit aufkam.

Was wäre ein Helmfest (und auch Helmstedt) ohne KAMBRIUM? Ginge schon, aber mit ist halt irgendwie besser! Schon im Vorfeld konnte man auf dem Infield einige Menschen mit KAMBRIUM-Shirts sehen und das hat meinen Verdacht, dass KAMBRIUM sich eigene Fanbusse zu ihren Auftritten fahren, nur noch verstärkt. Spaß beiseite: Die treuen Fans warteten ihres Moments, der dann auch kam, als Jan, Martin und Karsten durch das Infield auf die Bühne zuschritten. Ein episch-theatralischer Moment, der durch den Einsatz von Pyros noch gekonnt unterstrichen wurde. Das Set beinhaltete eine gute Mischung ihrer Songs, wie etwa Cybernetic Overload und Season of the Sea Witch. Es ist natürlich schade, dass Maxi nicht mehr dabei ist, aber sein Fehlen wurde gut kompensiert. In Zukunft würde ich mir aber schon noch mehr Gitarre und Backing Vocals wünschen! Auch wenn mit Final Countdown ein Cover gespielt wurde, bin ich etwas traurig. Ich finde, Wonderwall hätte das Set noch besser abrunden können. Hier also in Zukunft bitte nachbessern und ein entsprechendes Cover konzipieren!!!
Höhepunkt des Tages waren ohne Zweifel FIREWIND. Die Band des ehemaligen ARCH ENEMY und OZZY OSBOURNE Gitarristen Gus G. war im Grunde eigentlich konkurrenzlos. Die Kombination aus den treibenden Drums mit dem detailreichen Gitarrenspiel von Gus G. und der etwas rauchig klingenden Stimme von Sänger Herbie Langhans ist einfach bombastisch! Ich habe sie das erste Mal live gesehen und ich war schon etwas verliebt… Bei sowas schwingt dann immer auch ein bisschen der Ärger darüber mit, dass ich die Bands nicht schon früher mal erlebt habe! Es war eine fulminant, kraftvolle Show, die sich vor allem durch die (technische) Professionalität der Bandmitglieder auszeichnete. Diese Show hätten sie so auch auf größeren Festivals gespielt und dass sie hier in Helmstedt auf der Bühne standen und diesen Auftritt abgeliefert haben, war der Hammer! Der Höhepunkt, aus meiner Sicht, war definitiv der Song Destiny is Calling, der mir noch bis Sonntag ununterbrochen im Ohr hing. Das Set wurde beschlossen durch ihr Cover von Maniac und dem Song Falling to Pieces.
Für uns ging es im Anschluss an den Auftritt von FIREWIND dann auch nach Hause, wir hatten schließlich noch fast 1,5h Fahrt vor uns. Alles in allem hat uns der Tag sehr viel Spaß und Freude bereitet und sofern man uns in Zukunft wieder da haben will, kommen wir gerne wieder!


4 Kommentare zu „Ein Tag auf dem HELMFEST 2023“