Einmal Metal pur, bitte: STALLION im Interview!

Find the English version of this interview here.

Im Rahmen ihres Auftrittes in der Station Endlos in Halle am 20.11.2021, haben sich Pauly und Äxxl von STALLION die Zeit genommen ein paar Fragen zu beantworten! Warum heißt Slaves of Time eigentlich so? Wie managed man eine Band, wenn die Grenzen geschlossen sind und man nicht proben kann? Warum will Pauly nach China? All das und mehr lest ihr im Interview!

An dieser Stelle auch wieder großen Dank an lightinmirror.de für die wundervollen Bilder!

STALLION; Pic by lightinmirror.de

Shieldmaiden’s Voice: Was sollte man über euch wissen, bevor man euch hört?

Äxxl: Man sollte eigentlich möglichst wenig wissen und das einfach mal auf sich wirken lassen. Wir haben das interessanteste Feedback von denjenigen, die nicht besonders vertraut mit der Musik sind, die wir machen, sondern vielleicht auch eher genrefremd sind. Von daher mag ich es, wenn die Leute unvoreingenommen an uns herangehen und sich das anhören. Es polarisiert ja schon, was wir machen, aber dem einen gefällt es und den anderen nicht. Man braucht kein Vorwissen, oder? [an Pauly gewandt]

Pauly: Nein, das glaube ich auch nicht. Mir persönlich geht es auch so, dass ich als Musikfan auch gerne Sachen entdecke, die ich nicht kenne und mich neuen Einflüssen aussetze. Deswegen ist es auch das, was wir den Leuten empfehlen würden.

SV: Letztes Jahr ist ja Slaves of Time erschienen. Wie seid ihr auf den Titel gekommen?

Pauly: Es hat keinen Zusammenhang mit dem Album, wir haben es eigentlich auf etwas anderes bezogen, als man nach der ganzen Corona-Pandemie-Phase vermuten würde. Es ist auch genau zum Start der Pandemie erschienen, was ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt für uns war. Wir haben es im Vorfeld eigentlich auf die politische Situation gemünzt, dadurch, dass wir da natürlich ein waches Auge drauf haben und die Entwicklungen der letzten Jahre und auch der Jahre davor schon beobachtet haben…

Äxxl: … Das war so ein Zeitgeist-Ding. Trump war noch an der Macht, Bolsonaro kam dann, in Ungarn hast du einen Rechten an der Macht. Es war so ein bisschen, und das ist auch auf dem Cover wiedergespiegelt, das Gefühl als würde alles auseinander bröseln. Es ist wirklich ein Zeitgeist-Ding, für mich zumindest. Irgendwie war es vielleicht auch eine Vorahnung, weil diese Pandemie das ja alles nochmal verstärkt hat.

SV: Wie hat sich denn dann die Pandemie auf die Veröffentlichung und Verbreitung des Albums ausgewirkt?

Pauly: Wir konnten unsere Release-Tour einstampfen, drei Gigs konnten wir noch spielen, der Rest wurde gecancelt. Das hat uns, wie natürlich allen anderen auch, wehgetan. Wenn man so lange auf ein Album hinarbeitet dann ist das natürlich doppelt bitter, weil man einfach nicht jedes Jahr releasen kann und da eine Menge Herzblut und Energie reinfließt. Es ist eben scheiße, wenn man es dann nicht richtig präsentieren und auswerten kann. Die Fans waren da echt tapfer und haben viel bestellt…

Äxxl: … Nochmal Danke dafür an der Stelle! Für uns ist es aber natürlich schade. Du bringst da dieses Album raus, was ja immer ein langer Prozess ist. Die Plattenpressung dauert ja auch und du arbeitest darauf hin, probst die Songs, bist heiß darauf sie zu spielen und dann haben wir nur drei Shows gespielt. Wir waren dann auch wirklich gut eingespielt nach der Würzburg-Show und dann kam der Cut. Das war schade! Wir lecken auch noch ein bisschen unsere Wunden, wir sind noch nicht da, wo wir mal waren, aber wir versuchen natürlich wieder ein bisschen reinzukommen.

SV: Ihr habt ja zusätzlich auch noch das Problem, dass ihr auch Bandmitglieder aus Österreich und der Schweiz habt. Gab es durch diesen Umstand auch Probleme?

Pauly: Probleme ist relativ, wir haben uns eben fast ein Jahr nicht gesehen…

Äxxl: Wir konnten halt nicht proben, was aber auch relativ irrelevant war an der Stelle, weil man ja auch nicht spielen konnte. Wir haben uns dann tatsächlich sehr lange nicht gesehen. Die Grenzen waren eine Zeit lang wirklich komplett zu, es ging also auch einfach nicht. 

Pauly: Im Prinzip bis Juli diesen Jahres… Wir haben Anfang Juli wieder angefangen zu proben und am 16. Juli haben wir den ersten Gig wieder zusammen gespielt.

SV: Hat euch diese Zwangspause vielleicht die Möglichkeit gegeben an Sachen zu arbeiten, für die ihr andernfalls keine Zeit gehabt hättet?

Pauly: Wir haben uns dann den Spaß gegönnt und letztes Jahr etwas veröffentlicht, was wir ohne Pandemie nicht gemacht hätten: eine kleine Weihnachts-EP. Dazu hätten wir ohne die Pandemie gar keine Zeit gehabt und da haben wir die Energie dann reingesteckt.

Äxxl: Wir sind kurz vorher auch noch umgezogen in einen neuen Proberaum und haben uns da auch mit neuer Technik neu eingerichtet. Die Weihnachts-EP haben wir komplett dort aufgenommen. Es war daher so eine Art Testlauf, ob das ein gangbarer Weg ist und deswegen haben wir die einfach dort produziert. Es hat einfach Spaß gemacht! Wir hatten Lust, wieder ein bisschen Musik zu machen und es war ein cooles Intermezzo.

STALLION; Pic by lightinmirror.de

SV: Warum ist STALLION eine politische Band?

Pauly: Ich würde uns gar nicht zwingend als politische Band bezeichnen. Es ist einfach etwas, was uns am Herzen liegt, was uns wichtig ist. Im Metal ist man überwiegend der Auffassung, Politik ausgeklammert werden sollte und dass es nicht zwingend notwendig ist, sich als Band zu positionieren. Da wir das ganz anders empfinden und uns im Metal eh schon in einem Feld bewegen, wo es, zumindest in gewissen Teilen, zu Aufeinandertreffen kommt mit politischen Lagern oder wo politische Ideologie dann doch eine Rolle spielt, ist es uns sehr wichtig uns da zu positionieren. 

Äxxl: Es geht eher darum Stellung zu beziehen und weniger darum zu sagen, was die Leute tun und lassen sollen. Es geht darum, dass wir eine Haltung haben und die Leute sehen, dass das auch ok ist und man das machen kann. Deswegen ist uns das einfach wichtig!

Pauly: Uns ist es vor allem wichtig, uns abzugrenzen, was uns dann, in dem Moment, auch zur politischen Band macht, aber das steht nicht im Vordergrund.

SV: Wie reagieren die Leute, wenn ihr live Stellung bezieht?

Pauly: Live meist positiv und da bekommt man schon den ein oder anderen Schulterklopfer, aber das ist nicht der Grund, aus dem wir das machen. Wir machen es genau für die Leute, die uns nicht auf die Schultern klopfen.

Äxxl: Über Social Media bekommt man da mehr Gegenwind. Da gibt es dann auch die „Keyboard-Warriors“, die zu allem irgendwie ihren Senf dazu geben. Aus den USA kriegst du ganz viel Gegenwind. Es ist halt einfach so, aber deswegen machen wir das.

Pauly: Es ist natürlich auch schön, dass das vielen Leuten gefällt, viele Leute das auch äußern und am Merch-Stand zu uns kommen und sich dafür bedanken, was ich total crazy finde. Für die Leute ist es aber eigentlich, wie gesagt, gar nicht gedacht.

Äxxl: Genau! Wir sind halt hier in der Blase. Wenn wir spielen, dann sind unsere Fans da und die kennen das und die wissen das. Deswegen ist das hier in der Blase auch ein Safe Space. Es geht aber genau um die Leute, die vielleicht heute nicht hier sind und darum ein Statement abzugeben, dass ganz öffentlich für jeden einsehbar ist. 

STALLION; Pic by lightinmirror.de

SV: Heute ist ja wahrscheinlich der letzte Live-Auftritt für euch in diesem Jahr. Worauf freut ihr euch am Meisten?

Äxxl: Es war klar, dass das nochmal kommen kann, dass Veranstaltungen nicht möglich sind und von daher ist das für uns die letzte Möglichkeit nochmal ordentlich auf die Kacke zu hauen. Das Line-Up ist heute auch richtig cool, mit jungen, aufstrebenden Bands, die irgendwo auch am selben Strang ziehen oder sich zumindest im selben Underground-Kontext bewegen. Von daher empfinde ich das einfach als eine coole Veranstaltung!

SV: Was ist es für euch für ein Gefühl, dass ihr die eigene Musik live spielen könnt? 

Pauly:  Das Beste überhaupt! Deswegen machen wir das!

Äxxl: Genau! Wir sind wirklich eine Band, die es genießt live zu spielen. Wir hatten vorher alle schon Bands und das Schönste war immer, live zu spielen. Früher waren es oft Cover-Versionen und es ist umso schöner, wenn du originäres Material hast und die Leute das auch toll finden. Das ist ja auch das größte Lob, was man sich als Musiker vorstellen kann.

Pauly: Wenn dann auch noch ein bisschen was zurückkommt und die Leute, den Kram kennen, den man da auf die Bühne bringt.

Äxxl: Ja! Total! Es ist das Beste überhaupt, wenn du auf der Bühne stehst und die Leute dir genau so ins Gesicht schreien, wie du ihnen. Dann ist das schon was Besonderes.

SV: Sollte man STALLION dann eher live oder auf Platte hören?

Pauly: Wir denken schon, dass wir versuchen etwas zu transportieren. Das Eine ist natürlich erstmal zu entscheiden, ob der Sound was für einen ist und zum anderen ist dann das, was daheim beim Hören vor der Anlage nicht rüberkommt und das ist dann diese Live-Energie. Da versuchen wir schon einiges zu liefern und das kriegt man dann eben auch nur live.

Äxxl: Es ist halt auch zwei verschiedene Disziplinen. Es kann so unterschiedlich sein eine Band auf Platte oder eben live zu hören. Natürlich ist beides wichtig, aber für mich ist live einfach cool. Diese Lautstärke, das Fühlen des Sounds, das macht einfach Spaß! Es ist Geschmacksache, ob man sich das lieber live oder auf Platte anhört. Ich würde auf jeden Fall bei allen Sachen empfehlen, sich das live anzuschauen.

SV: Was sind Ziele, die ihr noch erreichen wollt?

Pauly: Wir sind keine Band, die aus zufällig zusammengewürfelten Menschen besteht, das heißt wir sind alle auch Freunde innerhalb der Band. Ich möchte deswegen auch weiterhin mit meinen Freunden coole Erlebnisse haben, ich würde gerne noch mehr Orte sehen, die ich noch nicht kenne. Das ist natürlich auch eine coole Option, genau das mit der Band auch zu tun. 

Äxxl: Es ist eigentlich das Schönste, dass man mit Freunden unterwegs ist und dann ist man vielleicht in Amsterdam und hat noch einen Tag über und kann dann in der Stadt unterwegs sein. Wir waren auch in Dublin oder Hamburg. Es ist für uns keine Business-Angelegenheit, wir sind jetzt keine eine Zweckgemeinschaft, in der man eben muss, sondern wir machen das, weil wir zusammen etwas unternehmen wollen. 

Pauly: Von daher, was wir erleben wollen… Klar, gibt es schöne Dinge… Wir haben letztes Jahr auch eine China-Reise canceln müssen, wo wir zwei Festivals in China geheadlined hätten, wo dieser Markt ja gerade erst aufgeht, wo die Leute heiß sind und vieles von ausländischen Bands noch nicht erlebt haben. Da würde ich das auch einfach gerne hinbringen, um den Leuten auch was zu bieten. 

SV: Wie kann man euch dabei am besten unterstützen?

Pauly: Support ist vielfältig: zu den Shows kommen, die Platten und die Shirts kaufen, wenn die Musik gefällt. Das ist das, worüber sich eine Band finanziert und trägt und worüber man als Fan den Bands auch so einiges ermöglicht. Musik machen ist immer schön, egal, ob das Reichweite hat oder nicht. Auf einem bestimmten Level braucht man aber die Leute einfach. Wenn die nicht mehr supporten, dann bist du auch als Band nichts mehr.

Äxxl: Wenn sich die frohe Kunde verbreitet, wenn die Leute sagen: „Hey! Die Jungs sind live geil! Guck dir das an!“, dann ist das für uns natürlich das Beste. So sind wir groß geworden.

SV: Welche Sache, über die wir jetzt noch nicht gesprochen haben, würdet ihr gerne noch loswerden?

Pauly: Anhand der aktuellen Situation, in der wir uns wieder auf einen harten Winter einstellen müssen, denke ich, ist es wichtig, dass man nicht nur redet und sagt, dass man sich an bestimmte Dinge hält, sondern, dass man es auch tatsächlich macht. Wenn wir das den Sommer über beherzigt hätten, wie es angeordnet war, dann wären vielleicht jetzt nicht in dieser Situation oder sie wäre nicht so ausgeprägt. Das wird uns noch eine Weile begleiten. Ich wünsche mir von den Leuten, auch wenn es hart ist, dass sie jetzt nochmal die Arschbacken zusammenkneifen, damit wir irgendwie durch den Winter kommen und wir es ab nächstem Jahr wieder so tun können, wie wir es als Gesellschaft gewohnt sind. Das ist nicht nur ein Wunsch an die Szene oder die Fans, sondern an die gesamte Gesellschaft. 

Da habt ihr es! Augen zu und irgendwie durch, in der Hoffnung auf Normalität. Wenn auch ihr Bock auf (weihnachtliche) Fanartikel habt, dann schaut doch mal im bandeigenen Shop vorbei!

STALLION; Pic by lightinmirror.de

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