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Vergesst nicht, euch die Tagesberichte zum Rockharz 2024 anzuschauen: Tag 1, Tag 2, Tag 3 und Tag 4!
Es ist immer eine besondere Freude, wenn man eine Interviewbestätigung für eine Band bekommt, von der man schon sehr lange Fan ist. Jetzt stellt euch aber mal vor, dass es nur noch 30min bis zum Interview sind und dann plötzlich wird das Festival evakuiert. Schöne Scheiße! Glücklicherweise haben wir das Interview doch noch machen können (mehr dazu im Tagesbericht zu Tag 4). Wie immer, ist es inhaltlich in eine ganz andere Richtung gegangen, als ich mir das vorgestellt habe, aber die Gitarristen Sylvain Coudret und Simon Johansson waren wundervolle Gesprächspartner und sehr lebhaft! Lest weiter unten, was wir besprochen haben!
Vielen Dank an lightinmirror.de für die wundervollen Bilder!

Shieldmaiden’s Voice: Wenn SOILWORK einen Werbeslogan hätte, wie würde er lauten?
Sylvain: Ähhh… ach du scheiße! Ich weiß es nicht… Sowas bin ich noch nie gefragt worden…
Simon: Vielleicht… „We work in the dirt“…Weißt du… weil „soil“ [zu deutsch: Dreck]
Sylvain: Das ist gut!
SV: Der neue Merch kommt bestimmt! Was würdet ihr sagen. ist das charakteristischste Merkmal eurer Musik?
Sylvain: Auf jeden Fall Björn’s Stimme! Egal, was man macht, wenn seine Stimme hinzu kommt, dann klingt es nach SOILWORK! Das ist der SOILWORK Sound: Seine Stimme.
Simon: Zumindest wenn es härterer Metal ist. Die doppelten Gitarren sind auch unser Ding und man darf die Melodien auch nicht vergessen. Aber Björn ist schon sehr markant.
SV: Ihr habt ja letztes Jahr die B-Seite von Mercury veröffentlicht. Was hat euch dazu gebracht das zu tun?
Sylvain: Wir haben entschieden den Song zu machen und das war es eigentlich auch schon… Wir haben die Veröffentlichung natürlich auch mit Nuclear Blast zusammen gemacht. Aber weißt du was? Man sieht immer öfter, dass Bands einen Song nach dem anderen veröffentlichen, sie also über das Jahr verteilt nur Singles veröffentlichen bevor sie das Album veröffentlichen. Es gibt heutzutage so viele Bands, dass man einen Weg finden muss, um nicht in der Masse unterzugehen. Als Band muss den Fokus auf sich halten. Wenn man in zwei Jahren nichts veröffentlicht, ist das echt verrückt.
SV: Naja, Streaming hat dazu ja einiges beigetragen, nicht wahr? Man muss den Algorithmus füttern. Unter welchen Druck setzt euch das?
Simon: In Bezug auf Bands denke ich, dass wenn ein Album veröffentlicht wird, man sich auch das Ganze album anhören sollte! Als wir aufgewachsen sind, war das die Art und Weise, um Musik zu genießen.Heutzutage hören die Leute Songs und keine Alben.
Sylvain: Die Leute hören wirklich nur einen Song und machen dann mit dem nächsten weiter.
Simon: Das ist auch ein bisschen traurig. Ich mochte die Album-Variante!
Sylvain: Das gute an Plattformen, wie etwa Spotify, ist, dass wenn man einen Song veröffentlicht, er direkt auf der ganzen Welt verfügbar ist. Für neuere Bands ist es noch immer enorm schwer, es zu schaffen. Es gibt so viele Bands, das ist wirklich verrückt! Jeden Tag gibt es so viele Veröffentlichungen. Wenn man etwas veröffentlicht, kann man es aber direkt nach der Produktion tun. Meistens, wenn man ein Album aufgenommen und veröffentlicht hat, dann waren die Songs für einen selbst schon alt. Zwischen Aufnahme und Veröffentlichung liegt oft ein Jahr und an dem Punkt hat man die Songs als Band irgendwie schon hinter sich gelassen. Es hat alles etwas gutes und etwas schlechtes!

SV: Die Zeiten haben sich wirklich geändert. Lasst uns aber auf etwas zurückkommen, was ihr gerade schon angerissen habt: Als Band muss man regelmäßig Alben herausbringen, in der Regel etwa alle zwei Jahre. Für euch wäre es dieses Jahr wieder so weit. Gibt es da Pläne und wenn ihr nichts verraten dürft, könntet ihr es dann Spoilern ohne zu Spoilern?
Simon: Wir gehen im Herbst auf Tour, also kommt da vielleicht etwas, aber vielleicht nicht gleich ein Album… Vielleicht gehen wir es modern an…
Sylvain: Wir denken darüber nach im kommenden Jahr ein Album zu machen. In der Band sind viele Dinge passiert im letzten Jahr, weswegen wir uns jetzt auch die Live Shows konzentrieren. Wir werden sobald, wie möglich, an neuen Sachen arbeiten. Im Herbst wird etwas passieren und danach sogar auch!
SV: Wo wir schon bei der Tour sind, ihr geht ja mit ARCH ENEMY und IN FLAMES auf Tour. Was werden eure persönlichen Highlights sein?
Sylvain: Wir werden in einigen fantastischen Venues spielen! Die Shows werden jeden Abend voll sein.
Simon: Die Shows werden sehr groß sein und ich hoffe, dass zwischen den Bands alles reibungslos funktioniert. Wir sind alle Freunde, aber da wir „nur“ der Special Guest sind, hoffe ich, dass wir fair behandelt werden, aber so richtig bezweifele ich das nicht, weil wir wirklich gute Freunde sind. Wenn man die Support-Band ist, was wir sind, dann weiß man nie, wie man von der Crew des Headliners behandelt werden wird, aber so richtig machen wir uns darum auch keine Sorge.
Sylvain: Wir haben solche Touren schon in der Vergangenheit gemacht und es war immer alles gut. Die Leute haben lange darauf gewartet, SOILWORK und IN FLAMES in einem Tourpaket zu erleben und auch wenn wir das schon vor langer Zeit gemacht haben, ist es seitdem nicht mehr vorgekommen. Jetzt ist es endlich wieder so weit!
Simon: Das hängt viel mit Band-Politik zusammen und dann muss man auch am selben Punkt stehen und zeittechnisch abstimmen und das ist immer sehr schwer.
SV: Wenn ihr in die Zukunft schaut, über das, was ihr noch nicht benennen wollt, hinaus, was ist etwas, was ihr euch für die Band wünscht?
Simon: Ich bin recht neu in der Band und ich würde gerne auf eine US-Tour gehen, weil ich mit SOILWORK noch keine US-Tour gemacht habe. Wir wissen, dass Amerika auf uns wartet, weil wir dort seit 2016 nicht mehr waren. Darauf hoffe ich sehr, zumindest was Touren angeht. Ich hoffe auch, dass wir das Album nächstes Jahr machen, uns zusammen setzten und das als Einheit angehen!

SV: Und nun als letzte Frage, damit ihr mit eurer Stage Time nicht in Verzug kommt: Was sind Ratschläge, die ihr jungen Musikern geben würdet, die gerade erst mit Musik anfangen?
Sylvain: Üben, üben, üben! In Frankreich gibt es viele Musiker, die kein Englisch sprechen, aber man muss Englisch lernen! Heutzutage sprechen alle Englisch. Das w#re daher mein Rat: Übt eure Instrumente wenn ihr jung seid und die Zeit habt, lernt Englisch und lernt Songs!
Simon: Hört außerdem andere Bands und hört euch selbst! Ein guter Rat für Gitarristen wäre, sich selbst aufzunehmen, das zu hören und kritisch zu sein.
Sylvain: Auf jeden Fall! Nutzt eure Ohren, um Musik zu lernen. Das wird eure musikalische Karriere retten, denn wenn ihr euch einer (größeren) Band anschließt, werden die euch sagen: „Ok, kannst du mit uns in einem Monat auf Tour gehen? Du musst 40 Songs lernen!“ Wenn ihr keine guten Ohren habt, dann wird euch auch niemand die Partituren aufschreiben oder so. Die schreiben euch auch nicht die Tabs auf! Ihr müsst durch das Hören die Songs lernen können.
Das sind wirklich gute, praktische Ratschläge von diesen zwei etablierten Musikern! In der Zukunft würde ich das nächste SOILWORK-Interview aber gerne unter weniger stressigen Umständen führen! Was die letzten beiden Interviews angeht, so bleiben wir in Schweden. Seid gespannt auf düstere Sounds und die Ergebnisse einer wirklich unglücklichen Situation.

1 Kommentar zu „Übung, Veränderungen und die Algorithmen – Ein Interview mit SOILWORK“