Achtung, feindliche Übernahme! Interview mit EVIL INVADERS

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Auf der Suche nach mehr Rockharz-Material? Hier findet ihr meine Berichte zu Tag 1, Tag 2, Tag 3 und Tag 4.

Ich freue mich sehr euch da draußen endlich mein erstes Rockharz Interview präsentieren zu können! Umso schöner ist auch der Umstand, dass es ein Interview mit einer Band ist, der ich schon einige Zeit folge und deren Musik mich jedes Mal mitnimmt: Die Rede ist von EVIL INVADERS aus Belgien. In diesem Interview mit Joe Anus und Max Mayhem (nein, nicht der in Das Schicksal ist ein mieser Verräter genannte Charakter, der auf nur 284 Seiten 118 Menschen tötet) verraten sie was sie an der Metal-Szene verändern würden, wie die Pandemie ihr aktuelles Album Shattering Reflection beeinflusst hat und vieles mehr.

Mal wieder geht ein riesengroßer Dank an lightinmirror.de für die krass-genialen Bilder!

Joe Anus/ EVIL INVADERS @Rockharz 2022; Pic by lightinmirror.de 2022

Shieldmaiden’s Voice: Wenn ihr eure Musik in drei Worten beschreiben müsstet, welche wären es?

Joe: Extreme Heavy Metal.

Max: Mhm… Ich denke… Intense, Heavy und Balls! [alle lachen]

SV: Was sind eure wichtigsten musikalischen Einflüsse?

Joe: Es ist für jeden von uns ein bisschen anders, aber ich greife gern auf die alten Klassiker, wie MERCYFUL FATE, BLACK SABBATH, JUDAS PRIEST, EXODUS zurück. Der Bay-Area-Thrash in Kombination mit altem Hardrock und alten Heavy Metal Bands hat mich sehr geprägt.

Max: Dem stimme ich zu, aber ich habe auch einige moderne Einflüsse, weil das die Musik ist, die ich mir meistens anhöre. Es ist ein guter Mix aus allem!

SV: Was ist aus eurer Sicht eure größte Stärke eures Songwritings und eurer Musik?

Joe: Ich denke, dass es die Varianz unserer Songs ist. Vor allem auf unserem letzten Album gibt es viele musikalische Kontraste, manchmal in einem Song und manchmal auch zwischen den Songs. Das macht ein Album erst interessant.

Max: Auf jeden Fall! Es ist die Kunst man selbst zu bleiben und etwas neues zu machen und dabei nicht die eigenen Wurzeln zu verleugnen.

Joe: Wir werden immer wie wir klingen, einfach weil wir ja auch die Musik spielen. Wir haben immer schnelle Songs geschrieben, aber wir mögen es auch uns neu zu erfinden und wir bleiben der Musik treu, die wir von Anfang an gemacht haben. Es entwickelt sich einfach alles weiter, vor allem das Songwriting wird variabler. Das ist es auch eigentlich schon!

SV: Ihr habt dieses Jahr ein Album namens Shattering Reflection veröffentlicht. Wie hat die Pandemie dieses Album beeinflusst?

Joe: Die Pandemie hat das Album tatsächlich verbessert, weil wir mehr Zeit hatten daran zu arbeiten. Normalerweise veröffentlichen wir ein Album, gehen dann so viel auf Tour, dass wir gar keine Zeit haben Songs zu schreiben, wenn wir wieder Zuhause sind. Immerhin haben wir ja auch noch unsere normalen Jobs. Es ist ein Kreislauf aus arbeiten, touren und wieder arbeiten und das macht es sehr schwer eine Zeit zu finden, zu der man sich für das Songwriting hinsetzt. Meistens haben wir individuell an Ideen gearbeitet, sie dann zusammengeschmissen und irgendwie kombiniert.

Diesmal war es eigentlich ziemlich cool, weil wir nach Hause kamen, unsere letzten drei Shows wurden durch die Pandemie abgesagt, und einfach angefangen haben über Ideen zu reden. Wir haben alles zusammengepackt und festgestellt: „Fuck, wir haben so krass viel Material und da sind richtig geile Sachen dabei!“

Max: Wir hatten die Gelegenheit wirklich mal an den Details zu arbeiten. Wenn man auf Tour ist und arbeiten muss, ist man eher geneigt zu sagen, dass der Song fertig ist und dass es gut genug ist. Tatsächlich ist gut genug aber nicht immer auch gut. Dieses Mal konnten wir bei den Songs wirklich in die Tiefe gehen, was manchmal ein bisschen frustrierend sein kann, aber es ist das Endergebnis, das zählt. Es war ein gutes Gefühl einen Song nach einem Monat wieder hervorholen und überarbeiten zu können.

Max Mayhem/EVIL INVADERS @Rockharz 2022; Pic by lightinmirror.de (c) 2022

SV: Welche Messages wollt ihr mit eurer Musik vermitteln?

Joe: Wenn wir Lyrics schreiben, versuchen wir so für Interpretation wie möglich zu lassen. Ich persönlich mag es, wenn ich mich mit Lycras identifizieren kann und meine eigene Bedeutung in ihnen finden kann, auch wenn es nicht unbedingt die Bedeutung ist, die der Verfasser intendiert hat. All unsere Lyrics sind sehr persönlich, aber wir schreiben sie auf eine Art und Weise, die Raum für Interpretationen lässt. Es gibt keine spezielle Message, die wir verbreiten wollen, es sind vielmehr rohe Emotionen, die wir in Worte gefasst haben. Es ist ein Ausdruck der Wut und der Gefühle, die wir haben und der Dinge, die in unseren täglichen Leben passieren. 

Max: Wir verarbeiten unseren Alltag!

Joe: Es ist ein bisschen wie eine Therapie!

SV: Und es ist günstiger als eine Therapie! [alle lachen] Machen wir weiter! Ihr habt ja bereits eine gewisse Zahl an Shows gespielt, bei denen ihr die neuen Songs präsentieren konntet. Wie haben die Fans das neue Material aufgenommen?

Joe: Viel besser als erwartet! Wir haben das Album schon geliebt, bevor es veröffentlicht wurde und dachten uns schon, dass einige Leute das vielleicht nicht schlecht finden, aber als wir dann unsere Release Party hatten, sangen die Leute schon mit! Im Vorfeld haben wir drei Videos veröffentlicht, aber die Leute sind richtig abgegangen! Alle, die uns auf unseren zahlreichen Shows in ganz Europa, wie etwa in Deutschland, Litauen und Spanien, sehen, feiern das Material total! Ich muss das Publikum nicht mehr dazu bringen abzugehen, denn sobald ich die Musik für sich sprechen lasse, spielen die Leute verrückt. Wir kriegen spontane Walls of Death, nach denen ich nicht mal mehr fragen und das Set unterbrechen muss, stattdessen machen die Leute es einfach dann, wenn ihnen danach ist. Das ist das beste Kompliment, das man kriegen kann. 

SV: Wo wir auch gerade bei Live Perfomances sind: Spielt ihr lieber auf Festivals, wie dem Rockharz oder bevorzugt ihr Konzerte?

Joe: Ich liebe beides und es hat auch beides seinen eigenen Charme! Es ist immer ein bisschen schwerer das Publikum zu fühlen, wenn man auf solchen großen Bühnen steht, dafür kann man dort wir bekloppt herumlaufen. Ich persönlich liebe die großen Stage-Productions, aber ich vermisse die Verbindung zum Publikum. Während einer Club-Show kann man she nah an die erste Reihe heran. Das erzeugt einen fast schon gefährlichen, alles-kann-passieren-Moment, jemand kann auf die Bühne klettern oder ich gehe runter ins Publikum. Es ist unberechenbarer.

Max: Es sind einfach zwei unterschiedliche Paar Schuhe. Club-Shows sind sehr intensiv und wenn man sie spielt, kann viel passieren, aber als Teenager wollten wir immer auch auf den großen Bühnen spielen, was dem ganzen einen komplett anderen Vibe gibt. Wir lieben einfach beides!

SV: Habt ihr irgendwelche Rituale bevor ihr auf die Bühne geht?

Max: Aaaaah… Die „Fünf Bier, fünf Zigaretten“-Technik! [lacht]

Joe: Und die vereinzelte Flasche Jack!

Max: Aber das nur für Club-Shows!

Joe: Spaß beiseite, wir ziehen einfach unser Ding durch und das ist nicht sehr kalkuliert. Es ist eher unkontrolliertes Chaos.

Max: Total! Viele Bands haben ein Skript, das sie durchgehen und wir gehen einfach auf die Bühne und schauen, was passiert. 

Joe: Es kommt auch auf unsere Stimmung an dem Tag an. Wir geben immer 100%, aber es ist immer eine andere Show. Natürlich haben wir auch einige Punkte in der Show, wo wir immer das gleiche tun, sonst hat man einfach keine kohärente Show.

Max: Es ist aber nicht so, dass wir sagen „Bei Minute 3:20 dieses Songs springen wir alle.“ Wenn ich Lust habe zu springen, dann mache ich das auch! Wir orientieren uns einfach am Vibe der Show, daran, was die Musik uns bedeutet und worauf wir Lust haben. 

Joe Anus/EVIL INVADERS live @Rockharz 2022; Pic by lightinmirror.de (c) 2022

SV: Was ist das Beste daran Mitglied bei EVIL INVADERS zu sein?

Joe: Gibt es überhaupt tolle Seiten…? [alle lachen] Das Beste ist, dass man wirklich hart arbeitet und maßlos unterbezahlt ist! Es ist alles aus Liebe zur Musik!

SV: Wenn ihr eine Sache an der Metal Szene ändern könntet, welche wäre es?

Joe: Ich würde die Zeit zurückdrehen, weil ich denke, dass die modernen Bands im Vergleich zu den älteren Bands schwächer sind. Heutzutage kann eine Band, die in der Demo-Phase ist, ein ganzes Album mit guter Produktion veröffentlichen und das macht es schwer den Wald vor lauter Bäumen zu sehen. Manchmal hat man einfach einen Überfluss an schlechten Veröffentlichungen und die guten Bands bekommen dadurch nicht die Aufmerksamkeit, die sie verdienen. Es ist gut, dass eine junge Band alleine etwas veröffentlichen kann, ohne auf die Entdeckung durch ein Label angewiesen zu sein. Ich denke nur, dass die Qualität des Songwritings heutzutage abgenommen hat.

Max: Das hatte man aber auch schon in den 80ern.

Joe: Ja, schon, aber es gab noch eine Art Filter, den man überstehen musste, um auf die Massen losgelassen zu werden.

SV: Ich denke, dass die Globalisierung hierbei eine Rolle spielt, denn in den 80ern hatte man im Jahr so viele Veröffentlichungen, wie man heute in einer Woche hat.

Joe: Wenn man das mal genauer betrachtet, waren die Veröffentlichungen auch einfach Wahnsinn! Wenn man zu diesen Zeiten gelebt hat und MOTÖRHEAD, IRON MAIDEN, METALLICA und KISS ihre Alben veröffentlicht haben, konnte man zwischen diesen, mittlerweile zu Klassikern gewordenen, Releases wählen.

SV: Leider müssen wir langsam zum Ende kommen, daher nun meine letzte Frage. Was ist etwas, dass ihr euren Fans schon immer mal sagen wolltet, aber nie die Chance hattet?

Max: Esst euer Gemüse!

Joe: Versucht nicht allzu viel über alles nachzudenken. Heutzutage, finde ich, verdenken die Leute jedes einzelne Problem und vergleichen alles miteinander. Social Media ist eine einzige Shit Show.

Max: Ja! Es geht nur noch darum, wie man auf einem Bild am coolsten aussehen kann und womit man die größte Reichweite erzeugt. Hört doch auf damit! In einer Band zu sein ist mehr als nur Social Media, es geht vielmehr um die Qualität der Musik und der Shows, die ihr spielt. Es interessiert doch niemanden, ob ihr ein cooles Bild mit eurer Gitarre habt, die Leute wollen gute Musik!

Joe: Und wenn ihr zu Shows geht, habt einfach Spaß! Denkt nicht zu sehr darüber nach, was Andere über euch denken, macht einfach, worauf ihr Lust habt. Einfach nur Rock’n’Roll

Was eine Band! Das war auch schon das erste Rockharz-Interview! Bleibt gespannt auf die kommenden Tage, wenn die anderen Interviews veröffentlicht werden. Wenn ihr jetzt mehr von den EVIL INVADERS sehen wollt, checkt doch mal meinen persönlichen Lieblingssong In Deepest Black aus oder schaut in ihrem Merch-Store vorbei!

Joeri van de Schoot/EVIL INVADERS live @Rockharz 2022; Pic by lightinmirror.de (c) 2022

1 Kommentar zu „Achtung, feindliche Übernahme! Interview mit EVIL INVADERS

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